Drechselbank bauen Teil 1/4 – Intro und der Reitstock

Verwendete Werkzeuge und Materialien

Intro

Bevor es ans Bauen geht, beginnen wir mit dem Aufbau der Drechselbank. Diese besteht aus 3 wesentlichen Komponenten:

  • Der Spindelstock
    • Der Spindelstock versetzt das Werkstück in Rotation. Dieser ist mit Zähnen, Spannzangen oder individuell gefertigten Werkzeugen bestückt.
  • Der Reitstock
    • Der Reitstock drückt das Werkstück gegen den Spindelstock. Dieser wird nicht zwingend verwendet (z.B. beim Einsatz von Spannzangen am Spindelstock). Alternativ wird am Reitstock auch gerne ein Bohrfutter eingesetzt um Werkstücke exakt auszuhöhlen.
  • Die Werkzeugauflauge
    • Auf die Werkzeugauflage wird das Werkzeug (i.d.R. die Drechslereisen) aufgelegt.

Wollt Ihr euch genauer informieren, gibt es einige Literatur dazu, oder auch eine Menge YouTuber die das Thema drechseln super erklären.

Als erstes müssen natürlich erstmal Drechslereisen her. Wie schon zuvor gesagt, wollte ich nicht allzuviel Geld ausgeben, daher habe ich erstmal ein kleines Set mit den wichtigsten Drechseleisen bestellt, bestehend aus einem Schräg-, einem Hohl- und einem Abstecheisen. Diese sind auch für den Bau der Drechselbank notwendig, also vorher beschaffen (zur Not gehen auch Stechbeitel, aber die Drechseleisen braucht Ihr ja eh 😉 ).

Weiterhin habe ich mich entschieden, mich im ersten Schritt auf das wesentlichste zu konzentrieren. Das einspannen eines Bohrers oder die Fertigung einer Spannzange ist hier (erstmal) nicht im Fokus.

Bau des Reitstocks

So Schluß mit der Laberei, los gehts. Wie schon geschrieben, ich wollte möglichst wenig Geld ausgeben. Also habe ich immer wieder mal die Restholzkiste im Baumarkt geplündert, wunder euch nicht, wenn hier also alles mögliche an Holz zum Einsatz kommt ;-).

Als erstes braucht es eine Grundplatte. Hier habe ich 21mm MDF gewählt und vom Bau meiner Terrasse noch ein paar Fliesenschienen aus Edelstahl übrig gehabt, die als Führung für den Reitbock dienen. Wer keine Edelstahlschienen hat, nimmt halt Holz. Dazwischen wird eine Platte eingelegt, die sauber zwischen den Schienen laufen muss und als Basis für den Reitstock dient.

Die Grundplatte, die verwendeten Fleisenschienen und die Grundplatte für den Reitstock

Die folgende Beschreibung zeigt den Aufbeu des Versuchs eines Reitbocks. Bei diesem gab einige Probleme. Ich erkläre am Ende welche und was ich noch ändern musste.

An die Bodenplatte des Reitstocks wird nun im exakt rechten Winkel ein Platte angebracht. Die Platte wird sowohl verleimt als auch geschraubt. Bedenkt, dass hier später die Gewindestange durchgeht und eine Druck auf das Werkstück ausübt. Das muss also bombenfest halten.

Die Vorderwand des Reitstocks wird an der Grundplatte angebracht

Nun wird die Platte noch mit zwei Holzwinkeln gegen die Bodenplatte des Reitstocks gesichert um die auftretenden Kräfte besser aufnehmen zu können. Auch diese Winkel werden wieder geleimt und verschraubt.

Die fertige Form des Reitstocks

Nun muss der Reitstock auf der großen Bodenplatte bewegt aber fixiert werden können. Hierfür wird als erstes eine Nut in die Bodenplatte der Drechselbank gefräst oder gesägt. Ich habe mit einem 10er Bohrer links und rechts ein Loch gebohrt und dann mit der Stichsäge die Löcher verbunden.

DIe Nut für die Führung des Reitstocks in der Grundplatte

Dann wird die exakte Mitte des Reitstocks ermittelt und ein erer Loch gebohrt. Anschließend habe ich aus der Restekiste eine möglichst dicke Scheibe rausgesucht, mit einem Forstnerbohrer das Loch ein paar Millimeter abgesenkt und die Scheibe da eingelassen.

Loch für die Halterung des Reitstocks mit eingelassener Scheibe

Als nächstes geht es an die Befestung des Reitstocks an der Grundplatte der Drechselbank. Es hat sich herausgestellt, dass sich der Reitstock nicht schön bewegen lässt, nutzt man einfach nur eine Schraube, da diese sofort in der Nut verkantet. Daher muss man wirklich einige Zeit in die Unterseite der Platte investieren. Die schraube darf nicht verkanten und sollte auch nicht beim losschrauben nach unten “verschwinden”. Daher habe ich an die Schraube von unten ein kleines “Schiffchen” als Führung angeklebt. Als Kleber wird hier Epoxidharzkleber von Uhu verwendet.

Die Führungsschraube für den Reitstock

Das “Schiffchen” wird dann links und rechts mit einer Holzleiste geführt.

Die Führungsschienen auf der Unterseite

Im Anschluß wird die ganze Konstruktion mit einer dünne Platte (zum Beispiel einer Rückwand) verschlossen. Diese Rückwand habe ich nur angeschraubt, damit ich im Falle des Falle noch mal da ran komme. Damit sichert Ihr die Schraube gegen “verloren gehen” ;-). Wichtig ist natürlich, dass der so entstande Kasten niedriger ist, als die Leisten, auf die die Grundplatte (wie folgend gezeigt) aufgeschraubt ist.

Dei Verblendung der Führung des Reitstocks auf der Unterseite

Eventuell müsst Ihr dann noch an der Nut rumschleifen bis der Reitstock wirklich schön sauber läuft und nichts mehr verkantet.

Jetzt solltet Ihr den Reitstock beseite legen und erst den Spindelstock bauen. Ihr müsst ja die Spitze des Spindelstock ganz genau auf der gleichen Position haben wie die Spitze des Reitstock. Ihr montiert also erst fix und fertig den Spindelstock und drückt die Spitze des Spindelstock nun in das Holz des Reistock und habt nun die Position der Löcher die Ihr für die Gewindestange bohren müsst. Hier ein Bild, wie es Ende aussehen soll, dann düfte klar sein, wie es gemeint habe.

Reitstock und Spindel müssen exakt aufeinandertreffen.

Ab diesem Zeitpunkt zeigen die Bilder schon die neue Version des Reitstocks. Es hat sich herausgestellt, dass eine Wand alleine als Halterung für die Gewindestange bei weitem nicht ausreicht. Also habe ich das ganze nochmal neu gebaut und 2 Wände angebaut auf denen die Gewindestange lagert. Zudem wird der Reitstock nun mit 2 Schrauben gesichert (einmal hinten und einmal zwischen den Wänden), damit der Gegendruck nicht den gesamten Reitstock nach hinten aufkantet (Beschreibt man das so ?!? ).

Habt Ihr die Position für das Loch der Gewindestange ermittelt, bohrt Ihr ein Loch so groß wie der Durchmesser der Mutter, gemessen an zwei gegenüberliegenden flachen Seiten. Je nach verwendeten Holz könnt Ihr die Mutter nun mit einer Schraubzwinge in das Loch pressen oder mit einem Stechbeitel die Öffnung noch etwas anpassen. Die Mutter wird ebenfalls mit Epoxidharzkleber gesichert.

Vorgefertigtes Loch für die Mutter

Natürlich brauchen wir ein zweites Loch an der gegenüberliegenden Seite des Reitbocks und diese müssen dann auch noch superexakt gegenüberliegen. Dafür habe ich die Gewindestange falschrum in das schon fertige Loch gedreht und ganz genau auf Höhe des Spindelstocks abgestützt. Dann wird die Stange so lange eingedreht, bis sie auf die gegenüberliegende Platte trifft und somit die Mitte markiert.

Ermitteln der Mitte des Lochs in der zweiten Platte

Nun habe ich von einer Seite durch das bestehende Loch eine dünne Schraube durchgeschraubt. So erhält man nun von außen die Mitte zum Bohren des zweiten Lochs (Auf dem Bild schaut das etwas schief aus, aber das liegt daran, dass ich für dieses Bild in der einen Hand den Akkuschrauber und in der anderen die Kamera hatte, es ist aber tatsächlich ziemlich genau geworden).

Zweites Loch im Reitstock markieren

Nun wird auch die zweite Mutter eingelassen und festgeklebt.

Am Ende baut Ihr euch noch ein Drehrad und setzt das mit zwei Stoppmuttern hinten auf die Gewindestange.

Drehrad auf die Gewindestange aufsetzen

Anschließend wir d die Gewindestange eingesetzt und der Reitstock ist quasi fertig.

Der fertige Reitstock

Hier nicht auf den Bildern: Ich empfehle euch noch eine 16er Flügelmutter zu kaufen und diese zwischen die beiden Wände des Reitstocks zu setzen um diesen zu sichern. Die Gewindestange fängt sonst irgendwann an, sich mit dem Werkstück mit zu drehen.

Nachtrag: Ich habe bei meinen ersten Drechselversuchen festgestellt, dass der starre Reitstock nicht gan optimal ist, da er zu viel Reibung auf dem werkstück erzeugt. Als Workaround kann man sich erstmal ein kleines Kugellager zwischen Werkstück und und Reitstock spannen. Ich werde da aber noch etwas bauen um die Konstruktion zu verbessern. Selbstverständlich gibt es dafür dann noch einen Bog-Artikel.

Damit wäre der Reitstock fertig. Ich hoffe der Artikel klärt alle offenen Fragen. Wenn nicht, fühlt euch frei diese in den Kommentaren zu stellen.

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