Drechselbank bauen Teil 2/4 – Spindelstock

Dies ist ein mehrteiliger Artikel. Die anderen Teile findest du hier.

Nach dem Bau des Reitstocks erfolgt nun der Baus Spindelstocks. Eigentlich müsst Ihr beides parallel bauen, da der Spindelstock genutzt wird, um die exakte Position der Bohrung am Reitstock zu bestimmen. Also unbedingt den ersten Teil lesen, bevor man hier weitermacht.

Der Spindelstock besteht im Prinzip aus einer Riemenscheibe, einem Keilriemen, 2 Kugellagern, einer Achse/Welle und einer “Werkstückaufnahme” die das Werkstück festhält und in Rotation versetzt.

Fangen wir an mit der Konstruktion des eigentlichen Aufbaus. Dieser verläuft im Prinzip exakt identisch zum Aufbau des Reitstocks, Ihr braucht eine hintere und einen vordere Wand in denen aber anstatt Muttern nun Kugellager eingebaut werden. Weiterhin wird der Spindelstock im Gegensatz zum Reitstock aber fest auf der Grundplatte montiert. Nehmt hier dickes Holz, ich verwende hier 32mm MDF. Gefühlt ist Hartholz noch sinnvoller, da dies auch was aushalten muss. Bisher ist mein MDF an den Lagern aber noch kein Stück beschädigt, ich verwende die Drechselbank zum Zeitpunkt dieses Artikels jetzt 3 Monate.

Die Kugellager bekommt Ihr am besten in einem Autoteile Zubehör, die haben in der Regel alle nur erdenklichen Arten und Größen. Wichtig: Nehmt geschloßene Lager, so ne Drechselbank macht ziemlich viel Dreck, der nicht in den Lagern landen sollte. Schaut vorher genau, welche Größen von Kreisbohrern oder Forstnerbohrern Ihr habt. Dann besorgt euch ein Kugellager welches einen minimal größeren Innendurchmesser als die Gewindestange hat (in meinem Fall bei einer 16mm Gewindestange also ein Innendurchmesser von 17mm) und einen Außendurchmesser eures Bohrers. Wie Ihr seht habe ich einen Lochbohrer verwendet den ich nur so weit in das Holz versenkt habe, wie das Kugellager dick ist (Ihr tut euch hier mit einem Forstnerbohrer deutlich leichter).

Positionierung des Kugellagers

Nach dem bohren des Lochs habe ich das vorsichtig mit einem Stechbeitel ausgearbeitet.

Ausarbeiten des Lochs für das Kugellager mit dem Steichbeitel.

Anschließend wird das innere Loch soweit aufgebohrt, dass das Kugellager mit dem Außenring auf dem Holz aufliegt, aber auf gar keinen Fall mit dem Innenring.

Die fertige Aufnahme für das Kugellager

Ist das Loch fertiggestellt, passt nun das Kugellager ein. Wichtig ist, dass das Kugellager absolut kein Spiel hat. Besser ist, es muss noch ein Stück eingepresst werden. Wenn da irgendwas wackelt, baut das Brett lieber noch mal neu.

Das eingesetzte Kugellager

Das ganze macht Ihr natürlich gleich für die Rückwand und die Vorderwand. Es ist klar, dass die beiden Löcher (Kugellager) exakt gegenüberliegen müssen. Tut euch also selbst den Gefallen, zwingt die Bretter aufeinander und bohrt euch ein 3mm Loch durch beide Bretter um so einen einheitliche Zentrierung zu erhalten.

Nach dem Einbau der Kugellager habt Ihr das Schlimmste eigentlich geschafft. Baut nun die erste Wand auf der Grundplatte auf.

Denkt dran, das muss was aushalten, also schön leimen und lieber zu viele als zu wenig Schrauben.

Dei Verschraubung der Rückseite auf der Unterseite

Baut nun nach und nach die Seitenwände und die Vorderwände auf. Verschraubt diese von der Unterseite als auch die Vorder-hinterseiten mit den beiden Seitenteilen.

Verschraubung der Seitenwände

Nun benötigen wir noch eine Riemenscheibe. Ich will hier ganz ehrlich zugeben, dass ich mir um Dinge wie Übersetzung und Rotationsgeschwindigkeit eigentlich keine Gedanken gemacht habe, sondern erstmal beschlossen habe, dass ich die Riemenscheibe auf Welle und am Motor gleich groß mache. Ergo: Die Rotationsgeschwindigkeit am Motor entspricht auch der auf der Drechselbank. Ggf. werde ich mir da später noch Gedanken machen, aktuell passt das recht gut (Details gibt es im Artikel über den Motor). Wer bedenken hat, dass die Riemenscheibe aus Holz ist: Keine Sorge, das hält. Ich nutze hier MDF und das klappt absolut problemlos.

Die Riemenscheibe muss absolut gleichmäßig auf der Welle laufen. So exakt bekommt man die Riemenscheibe eigentlich nur auf einer Drechselbank gefertig, daher ist hier etwas Fantasie gefragt, wenn man nicht grade einen Kumpel greifbar hat, der über eine Drechselbank verfügt. Ich habe mir die Riemenscheibe so ungefähr mit der Stichsäge zurechtgesägt, so mittig wie möglich eine Schraube durchgeführt und diese mit einer Mutter auf der Scheibe festgezogen.

Grob gefertigte Riemenscheibe

Nun habe ich die Riemenscheibe an der Schraube in die Standbohrmaschine eingespannt und mir am Bohrtisch mit ein paar Resthölzern und einer Schraubzwinge eine provisorische Werkzeugauflage gebaut. Damit liess sich die Scheibe dann auch tatsächlich wunderbar drechseln. Seid hier aber bitte vorsichtig mit dem Druck, die Lager in der Ständerbohrmaschine sind nicht für eine seitliche Belastung ausgelegt, also langsam machen.

Kleiner Erfahrungswert: Nehmt hier auch auf keinen Fall ein Stück aus einer Leimholzplatte. Den Fehler habe ich begangen, das gibt beim Ansetzen des Eisens einen Knall und an der geleimten Stelle fliegt die Leimholzplatte auseinander. Und die Stücke bekommen einen erstaunliche Geschwindigkeit.

Drechseln der Riemenscheibe an der Ständerbohrmaschine

Nun gehts ans letzte Bauteil, die Werkzeugaufnahme. Ich habe es mir im ersten Schritt einfach gemacht und eine möglichst lange sechskant Verbindungsmutter besorgt. Auf diese habe ich mit Edding Spitzen aufgemalt.

Dann kommt die Flex und eine Metallfeile zum Einsatz um die Spitzen auszuarbeiten.

Die Verbindungsmutter mit eingearbeiteten Spitzen

Ich habe zusätzlich die Gewindestange zugeschliffen so dass ich eine Zentriespitze habe. Achtet darauf, dass die Spitzen der Mutter nach der Montage exakt die gleiche Länge haben wie diese Zentrierspitze, damit hinterher alles gleichmäßig in das Werkstück drückt und dieses sicher geführt wird.

Die aufgesetzte Werkzeugführung

Habt Ihr nun alle Teile beieinander gehts ans zusammenbauen. An den Stellen wo die Kugellager auf die Gewindestange kommen, umwickelt Ihr diese mit Isolierband, so dass die Kugellager einigermaßen streng drauf gehen. Damit stellt Ihr sicher, dass die Lager genau mittig auf der Gewindestange sitzen. Die Kugellager werden dann je von beiden Seiten mit einer Scheibe versehen, die auf den Innenring der Kugellager drückt. Dann sichert Ihr die Lager von beiden Seiten mit Stoppmuttern. Die Riemenscheibe wird von beiden Seiten mit Scheiben und Stoppmuttern gesichert.

Plant euch den Zusammenbau genau durch, sondern baut Ihr die Geschichte mehrfach zusammen ;-). Am Ende schaut die Konstruktion wie folgt aus.

Wer genau aufgepasst hat wird sehen, dass auch ich den Spindelstock mehrfach montieren musste, in diesem Bild fehlt nämlich noch der Keilriemen ;-).

Wie ihr seht, der Bau des Spindelstocks ist keine große Sache. Es gibt ein paar kleine Stolperfallen, aber grundsätzlich ist das alles machbar. Wenn Ihr weitere Fragen habt, nutzt die Kommentarfunktion. Ansonsten bleibt mir nun nur noch übrig, euch viel Spaß beim Bau eurer eigenen Drechselbank zu wünschen und mir Gedanken um den nächsten Teil dieser Blogserie zu machen, wo es um den Bau der Werkzeugauflage geht.

Zu guter letzt ein wichtiger Hinweis: Mit dieser hier gezeigten Methode spannt Ihr ein Werkstück mit Druck zwischen Spindelstock und Reitstock und versetzt dieses mit einigen tausend U/min in Rotation. Ihr könnt euch vorstellen, dass wird schmerzhaft, wenn das Werkstück die ihm zugedachte Position in Richtung eures Hirn verlässt. Stellt euch beim anschalten also auf jeden Fall mal seitlich. Zusätzlich empfehle ich euch entsprechende Schutzbekleidung zu tragen. Ich habe die Drechselbank nun schon einige Zeit in Nutzung. Die Erfahrung zeigt, dass die Spitzen eher eine Rille ins Werkstück reißen und einfach nicht mehr greifen und man nachspannen muss. Bisher ist es noch nicht passiert, dass das Werkstück wirklich abhaut. Aber Ihr seid nun gewarnt ;-). Es wird aber irgendwann ein Artikel folgen, der auch zeigt, wie man Spannbacken für diese Drechselbank baut.


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