Werkstattbau #1 – Einfacher Werkbankschrank

Vor einigen Wochen habe ich begonnen meine Werkstatt umzubauen. Ursprünglich habe ich die Werkstatt gebaut, um die notwendigen Reperaturen im Haus durchzuführen. Im Laufe der Zeit habe ich das Holzwerken als Hobby für mich entdeckt und die Werkstatt wurde schnell zu eng. Ich werde nun Stück für Stück Artikel veröffentlichen, die den Werkstattbau detailliert beschreiben. In diesem ersten Schritt geht es um den Bau eines einfachen Werkbankschrank, der als Tisch für die Drechselbank dienen soll und jede Menge Zeug in Schubladen aufnehmen soll. Den Bau der Drechselbank findet Ihr übrigens hier beschrieben. In diesem Schrank sollen 5 Touch-to-open Schubladen eingelassen werden. Als Schienen habe ich die Schienen von teleskopschienen24.de verwendet. Diese sind zum Zeitpunkt dieses Artikels gut 3 Monate in Verwendung und ich bin damit sehr zufrieden. Ich kann auch speziell jedem mit kleiner Werkstatt empfehlen, so schnell wie möglich an den Bau von Schubladen zu gehen. Dafür sprechen 2 wesentliche Argumente:

  • Es entsteht extrem viel Platz (deutlich mehr, als ich je vermutet hätte).
  • Schubladen halten den Inhalt sauber.

Was braucht Ihr:

  • Akkuschrauber
  • Leim
  • Einen Plan
  • OSB (oder ein Holz eurer Wahl). Habt Ihr keine Tischkreissäge, lasst euch die Teile im Baumarkt zusammenschneiden. In dem Fall baut erst den Korpus und messt dann eure Schubladengröße
  • Ein paar Balken
  • Schubladenschienen

Platz schaffen

Als erstes geht es nun darum, die Ecke freizuräumen, in die der Schrank soll. Ihr seht, sonderlich ordentlich ging es nicht wirklich zu.

Der Platz in der Werkstatt

Nach 3 Stunden wühlerei war die Ecke auch schon sauber.

Die leergeräumte Ecke

Abschätzen des Abstandes

Die Schienen für den Werkbankschrank sind 40cm lang. Für den touch-to-open Mechanismus der Schubladen sind hinter den Schienen noch gut 10mm Platz notwendig. Direkt vor den Schienen ist noch Platz für die Blende zu lassen. Diese soll bei aus 15mm OSB sein. Da kann man sich drüber streiten obs cool ist oder nicht, aber meine Werkstatt, meine Fronten ;-). Insgesamt sind also zusätzlich zur eigentlichen Schiene mind. 25mm Platz notwendig, besser ist es, noch ein bisschen draufzulegen. Daran orientiert sich die Position des vorderen Standbein.

Wenn Ihr so etwas baut und eine Rückwand einbauen wollt (also ein eigenständiger Schrank), solltet Ihr noch beachten, daß die Rückwand ebenfalls ein paar Zentimeter von der Wand abstehen muss, damit die Luft dort zirkulieren kann.

Bestimmen der Position des vorderen Standbeins

Bau des Grundgerüsts

So ein Werkbankschrank eignet sich wunderbar sich als Anfänger mit Schlitz- und Zapfenverbindungen zu beschäftigen. Warum? Weil es bei den massiven Holzbalken nicht auf 100%ige Genauigkeit ankommt, wenn man es nicht genau hinbekommt, gibt es noch potential das hinzubiegen. Also als erstes die Schlitze gefertigt. Diese werden als erstes eingesägt. Ein Tipp: Besorgt euch dafür eine einigermaßen anständige Zugsäge, damit habe ich mich am leichtesten getan.

Einsägen des Schlitzes

Ist der Schlitz eingesägt, geht es an das ausstemmen. Schlagt immer nur wenige Millimeter ein und nehmt dann das Material weg. Es braucht hier etwas Geduld. Und wie gesagt: Wenn Ihr das so wie ich das erste mal macht, könnte es vlt. nicht gleich perfekt werden, dass ist in diesem Fall aber nicht schlimm.

Austemmen des Schlitzes

Die Zapfen sind relativ einfach gebaut. Von oben und jeweils links und rechts eingesägt und fertig. Nun können die Beine zusammengesteckt werden. Ich habe hier einen Winkel angelegt und die Verbindung gleich verleimt und über Nacht liegend trocknen lassen.

Testaufbau

Nur 2 Beine – hinten an die Wand

Da die Werkbank nicht mehr versetzt werden soll und ich eine Holzwand als Rückseite zur Verfügung habe, habe ich mich entschlossen diese fest an der Rückwand zu verschrauben. Das gibt maximale Stabilität. Also wurde kurz Maß genommen, ein Holzbalken auf die richtige Länge gesägt und an den Enden jeweils eine Ecke ausgesägt. Das gleiche passiert mit den Querbalken, so dass diese ineinander gelegt werden können. Mit dem gleichen Prinzip wird ein Balken vorne als Träger eingelassen. Das nächste Bild zeigt in einem Blick wie der Aufbau der Werkbank ist.

Montage der Unterkonstruktion

Zwischendurch wird immer wieder nachgemessen, ob die Werkbank in allen Richtungen im Wasser ist und sich alle Verbindungen im rechten Winkel zueinander befinden. Gebt euch da echt Mühe. Wenn Ihr später irgendwas auf der Werkbank bearbeitet, ist es super wichtig dass diese im Wasser ist, sonst könnt Ihr euch bei keinem anderen eurer späteren Projekte darauf verlassen. Bei den Schubladenschienen des Werkbankschrank gibt es eine wichtige Sache zu beachten: Der Raum in den die Schubladen eingebaut werden, muss 130% perfekt ausgerichtet sein. Bei den von mir verwendeten Schienen ist die Zeichnung hier einsehbar. Ihr seht da sind Toleranzwerte von 0,2mm angegeben. Damit der Kasten wirklich so genau wird, habe ich einen weiteren Balken zugesägt und unte zwischen die vorderen Füße geklemmt und von links und rechts angeschraubt.

Die Seitenwände einzubauen war dann die nächste Herausforderung. Ich war ein bisschen faul und wollte das ganz simpel mit Winkeln lösen. Nur wer schon mal Winkel angeschraubt hat, weiß dass die so gut wie nie an der Stelle bleiben wo man sie haben will (Zumindestens nicht in diesen Scheiss 0,2mm Raster). Ich habs dann einigermaßen hinbekommen, die Winkel mit Gaffa Band anzukleben und dann zu verschrauben.

Die fertige Außenkontruktion der Werkbank

Aber ganz klar, die beste Idee ist das nicht. Beim nächsten Schrank habe ich die Weite genau ausgemessen, die 15mm draufgeschlagen und hinten eine Leiste hinter der Seitenwand befestigt, gegen die ich dann diese geschraubt habe. Vorne habe ich die Hochkantleisten ausgefräst und die Seitenwände eingelassen.

Bau der Schubladen

Im nächsten Schritt geht es um den Bau der Schubladen des Werkbankschrank. Von der Höhe her, habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn innen eine lichte Höhe von 14cm verfügbar ist. Ich habe festgestellt, dass dies für die meisten Maschinen so ein magisches Maß ist und diese exakt in die Schubladen passen (Mag aber auch sein, dass ich da grade einfach Glück hatte).

Die Schubladen des Werkbankschrank sind ganz simpel aufgebaut. Die einzelnen Seiten werden gegeneinander verleimt und geschraubt. Die Seitenwände stoßen dabei auf die Front und den Rückenteil. Sehr hilfreich sind Möbelbauwinkel. Die Schubladen müssen natürlich ebenso exakt gebaut werden, wie der Korpus, der die Schubladen aufnehmen soll.

Einsatz der Möbelbau Winkelklemmen

Den Boden habe ich in die Kiste eingeleimt. Man könnte auf die Idee kommen, den von unten anzusetzen, aber so macht es aus mehrere Gesichtspunkten Sinn:

  • Man kann den Boden quer verschrauben, anstatt von unten gegen das Gewicht des Schubladeninhalts
  • Der rechte Winkel wird durch das Bodenbrett nochmal mehr sichergestellt (vorausgesetzt man hat dies auch korrekt zugesägt)
  • Besser ausschauen tuts auch

Sollte eigentlich eh klar sein, aber ich habe erst mal in der Küche spicken müssen, daher schreib ichs nochmal.

Einfräsen der Schienen

Ich habe die Schubladen-breite des Werkbankschrank so geplant, dass links und rechts nur ein paar Millimeter Platz bleibt und die Schubladenschienen in die Seitenwand eingefräst werden. Also wurde der Frästisch aufgebaut und auf 4x mit einem breiten Fräser die Nut ausgefräst. Einmal halbe Tiefe, dann die volle Tiefe und dann wurde die Schublade versetzt und das ganze wiederholt um die korrekte Nutbreite zu erhalten.

Einfräsen der Nut

Ich empfehle hier auch die Nut deutlich breiter zu machen als die Schienen, dann tut man sich deutlich leichter die Position der Schiene exakt festzulegen.

Eingebaute Schubladenschiene

Ist alles 100% korrekt eingebaut, sollte sich die Schublade nun einwandfrei mit einem kleinen “Tipp” öffnen und wieder schliessen lassen.

Müsst Ihr an dieser Stelle Gewalt anwenden, habe ich eine schlechte Nachricht: Die Schubladen ist zu breit, zu schmal, nicht im rechten Winkel eingebaut, der Werkbankschrank ist schief oder irgendwas anderes passt nicht. Das ist leider eine ziemliche Frickelei. Schaut also wirklich zu, dass der Korpus und die Schubladen 100% exakt passen. Sollte das touch-to-open System hinten nicht richtig einrasten, probiert mal ein bisschen Papier oder ein dünnes Stück Holz hinter die Schiene an der Wand zu legen.

Zur Positionierung der Schubladenschienen schaut auch mal beim Truppe vorbei. Der hat ja einen kleinen Schubladen-Fetisch und in diversen Videos Tipps gegeben, wie man die Position der Schienen an besten bestimmt. Ich persönlich habe mir, nachdem der Korpus fertig war, einen kleinen Plan gemalt und sie alle eingemessen.

Die Blenden

Um die Blenden anzubringen, gibt es einen kleinen Trick. Das Problem ist ja, dass die Blende bei geschlossener Schublade angepasst werden muss, bei geöffneter Schublade aber von innen verschraubt wird. Ihr schneidet die Blende also zu und klebt diese mit doppelseitigem Klebeband an die Schublade. Dann zieht Ihr vorsichtig die Schublade heraus und zwingt diese fest. Dann könnt Ihr voller Freude drauf los schrauben. Sollte das doppelseite Klebeband nicht halten, funktioniert das ganze hervorragend mit Spiegelklebeband.

Befestigen der Schubladenfronten

Sägt zudem jede Front für sich zu. Die Fronten sind noch mal eine letzte Chance, um Ungenauigkeiten auszugleichen.

Ist das erledigt, schmeißt Ihr noch ne Platte drauf und verschraubt diese mit dem Untergestell. Fertig ist der Keks.

Der fertige Werkbankschrank

Griffe

Eigentlich sind keine Griffe notwendig. Ihr tippt einmal, die Schublade kommt euch ein Stück entgegen und man kann sie aufziehen. Das war auch der Grund, warum ich mich für ein touch-to-open System entschieden habe. Keine Griffe zu haben heisst auch, dass man sich nirgendwo die Knie anhauen kann. Trotzdem ist es irgendwie komfortabel, etwas zu haben, an dem man die Schubladen des WErkbankschrank aufziehen kann.

Beim “Euer Konstantin” habe ich mir dann die Idee mit den Ledergriffen geklaut. Allerdings hatte ich kein Leder rumfliegen. Im Urlaub habe ich in einem Dekoladen Tischuntersetzer aus braunem Filz gefunden. Die sind erstaunlich stabil. Also habe ich diese in Streifen geschnitten. Von unserer Treppe im Haus hatte ich noch ca. 200 Holzblenden für Schrauben übrig. In ein paar von denen habe ich ein Loch gebohrt, das gesenkt und mit einer normalen Spax eine Filzstreifen in einer Schlaufe auf die Blende geschraubt. So bleibt der geneigte Heimwerker auch von blauen Flecken verschont.

Fazit

Wie Ihr seht, man kann relativ einfach einen solchen Schrank bauen. Dieser Werkbankschrank ist massiv und mega stabil. Die 5 Schubladen geben euch zudem extrem viel Platz. Der Aufwand für diese Schrank lag bei mir bei 3 Tagen (nicht Vollzeit). Es wäre schneller gegangen, hätte ich ordentlicher gearbeitet, dann nämlich hätten die Schubladen auch gleich richtig gepasst. Aber Ihr seht, selbst der Frickeldave bekommt am Ende einen recht schnuckeligen Schrank hin. Also, Akkuschrauber geladen und los gehts.

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