Monitorpanels für Besprechungsräume #2

Nun ist es endlich soweit. Nach der Planung der Monitorpanels für unsere Besprechungsräume ist nun der Bau abgeschlossen und ich kann endlich in diesem Beitrag darüber berichten. Selten habe ich mich so auf das schreiben eines Artikels gefreut (allerdings war auch selten ein Artikel mit so viel Arbeit verbunden 😉 ). Dieser Artikel ist recht lang, ich wollte aber nicht mehr als 3 Teile schreiben. Ich hoffe Ihr bringt trotzdem Geduld auf und könnt hier ganz viel für eure eigenen Projekte mitnehmen.

Wer jetzt nicht genau weiß worum es geht: In meiner Firma der “msg systems” haben wir neue Büroräume mit Glaskästen, die für spontane Meetings genutzt werden können. Das Prinzip ist total super, allerdings steht die Besprechungsraum-Technik mit allen Kabel frei sichtbar rum, zum anderen fehlte dem ganzen etwas Farbe. Also habe ich den Vorschlag gemacht, die Räume mit großen Monitorpanels in msg-rot auszustatten, in denen die Technik verschwindet. Super, wenn man Kollegen und Chefs hat, die solche Ideen mit voller Motivation unterstützen.

Zuschnitt der Fronten

Das Monitorpanel wurde im großen und ganzen aus MDF gefertigt. Die vorbeschichteten MDF Platten kamen im Format 4x2m an. Der Vorteil an vorbeschichteten Platten: Später beim lackieren ist keine Grundierung mehr notwendig.

Die Grundplatte

Selbst wenn die Formatkreissäge noch so groß ist, hier müssen ersteinmal handliche Stücke her. Also wurden alle Platten zusammengezwingt und mit der Handkreissäge die Frontplatten grob ausgeschnitten.

Zuschnitt mit der Handkreissäge
Die zugeschnittenen Platten

BTW: Wenn Ihr solche vorbeschichteten Platten bearbeitet, zieht bloß Handschuhe an. Die Dinger sind einfach nur sauscharf.

Sind die Platten vorgeschnitten gehts ab auf die Formatkreissäge. Ich habe ja schon im ersten Artikel beschrieben, diesmal baue ich die Dinger nicht selber, sondern mein Fast-Nachbar der Schreiner Hadersdorfer in Hörgertshausen. Da stehen natürlich gleich ganz andere Maschinen zur Verfügung und beim Anblick der Formatkreissäge … Naja was soll ich sagen.

Weiter gehts mit dem Feinschnitt. In diesem Schritt werden nun sowohl die Frontplatten als auch die Seitenwände des hinteren Korpus (in dem die Technik verschwinden soll) auf Ihr exaktes Maß geschnitten.

Zuschnitt auf der Formatkreissäge

Kanten versiegeln

Nun sind die Monitorpanels für unsere Besprechungsräume in der Fläche vorbeschichtet, aber noch nicht die Kanten. Wir Heimwerker würden der Kante nun mit Pinsel und MDF Grundierung zu Leibe rücken, aber natürlich nicht der Profi. Der hat eine Maschine um die Kanten zu umleimen. Diese zieht das Brett durch, leimt eine Beschichtung auf die Kante auf und bringt gleich noch mittels einer eingebauten Fräse eine Mini-Fase an. Hier haben wir mal ein kleines Video aufgenommen, was den Prozess einmal an einem Test-Stück zeigt:

Kantenumleimer im Einsatz

Der Leim ist im großen und ganzen nichts anderes als ein Heißkleber, der in Kugelform eingefüllt wird. Der Katenumleimer kommt auf der Rolle daher.

Klebematerial
Kantenumleimer

Sind die Kanteumleimer angebracht, haben wir nur noch die Überstände mit dem Stechbeitel entfernt.

Säubern der Kanten

Löcher anbringen

Nun haben wir eine Schablone gefertigt die exakt anzeigt, wo die Seitenwände des Korpus angeleimt und die Bohrlöcher positioniert werden (Durchlässe für Monitor und Webcam Halter). Zudem dient diese Schablone gleich als Frässchablone für die EVOline Unterputz Steckdosenleiste und die obere rechte Ecke, die ja abgerundet sein soll.

Schablone für die Frontplatte

Zusätzlich sind auf der Schablone die Position der Flachdübel angezeichnet, die zur Stabilisierung der Position der Seitenwände dienen.

Einfräsen der Flachdübel

Anfertigen der Seitenwände für den Korpus

Die Seitenwände des Korpus haben eine Breite von 10cm und sind ebenfalls aus MDF gefertigt.

Die Rückplatte haben wir natürlich nicht stumpf auf den Korpus aufgeschraubt, sondern ordentlich eingelassen, also ist eine Nut in der Stärke der Rückplatte notwendig.

Teststück für die Nut
Erster Schnitt für die Nut

Die Schwierigkeit beim Korpus der Monitorpanels war, dass das Gehäuse der Rundung der Frontplatte folgen sollte. Wie baut man aber eine runde Seitenwand aus MDF? Ganz einfach, das Material wird in regelmäßigen Abständen über die gesamte Rundung eingeschnitten. Hier lag ein 3mm Sägeblatt zugrunde und wir haben 3mm Abstände gewählt. Um die Abstände wiederholgenau anzubringen, wird ein Flachdübel in eine Platte eingelassen, auf die das Werkstück aufgesetzt wird. Auch hier habe ich euch zur Verdeutlichung mal ein Video aufgezeichnet. Schaut ruhig bis zum Ende, dann seht Ihr die Konstruktion mit dem Flachdübel.

Einsägen der Rundungen

Sind die Schnitte gemacht, lässt sich das MDF super in die Rundung einlegen. Nun muss an dieser extrem vorsichtig gehandwerkt werden, die einzelnen Lamellen brechen tatsächlich sehr schnell aus, solange die Rundung noch nicht eingeleimt ist.

Einsetzen der Rundung

Anfertigen der Kabeldurchführung

Unten im Korpus der Monitorpanels werden die Kabel herausgeführt. Konkret sind dies ein Stromkabel und ein Netzwerkkabel. Um die Kabel vor umknicken zu schützen, sind diese durch Kabelhülsen gezogen. Die Gewinde der Kabelhülsen sind aber zu klein um diese direkt ins Holz zu setzen. Also habe ich Blindabdeckungen für Netzwerkschränke bestellt, in die 2 Löcher gebohrt und diese dann in das Panel eingelassen werden. Die Blindabdeckung selber braucht aber auch einen Rahmen aus Holz drumherum.

Da das Brett nur geringfügig breiter ist als die Blende, ist statt einer Frässchablone die Kreissäge die bessere Wahl. Start- und Endposition wird am Anschlag der Kreissäge angezeichnet und dann dass Holz auf das Sägeblatt getaucht. Ich fand das einen Supertrick, da er aber schwer zu erklären ist, hier ein erklärendes Bild. Damit möglichst wenig Material stehen bleibt was danach mit der Stichsäge ausgesägt werden muss (…und die Finger nicht in Gefahr zu bringen), haben wir das Sägeblatt so eingestellt, dass von jeder Seite einmal gesägt wird.

Ausschneiden eines Rechtecks mit der Kreissäge

Danach wurden alle Bretter zusammengezwingt und die Durchlässe für die Edelstahlfüße, die das gesamte Panel halten, eingesägt.

Ausschneiden der Durchlässe für die Edelstahlfüße

Zusammenbau des Korpus

Nun haben wir die Seitenteile des Korpus auf die Vorderplatte geleimt. Hier sieht man schön 2 Dinge, die ich noch nicht explizit beschrieben habe: Auf der rechten Seite ist ein Loch für die Zeitschaltuhr eingesägt und alle Leisten sind an den Ecken auf Gehrung geschnitten.

Festzwingen der Seitenteile des Korpus

Zu guter letzt wird die Bodenplatte des Korpus eingesetzt, die die Kabedurchführungen beinhaltet. Da ja durchaus mal jemand übers Kabel stolpern kann, haben wir diese neben den Flachdübeln auch noch mit zusätzlichen Holzklötzchen gesichert.

Einsetzen der Bodenplatte
Druckaufbau in weiter entfernten Bauteilen

Feinarbeiten

Rund um den Korpus der Monitorpanels soll ein LED Streifen eingelassen werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Streifen es nicht mögen, stark geknickt zu werden. Daher wurde an der 90° Ecke des Korpus noch eine Ecke mit einem Multitool, einem Stechbeitel und einer Feile etwas abgerundet.

Zu guter letzt haben wir alle Kanten die nun durch die Bearbeitung Ihre Grundierung verloren haben mit einem Isolierfüller grundiert.

Lackierung und Montage

Bei der Lackierung war ich selber nicht dabei, daher hier nur ein paar Eindrücke vom Endergebnis.

Die Edelstahlfüsse haben wir extra vom Metallbauer anfertigen lassen. hier war nicht mehr zu tun, als diese an die Monitorpanels anzuschrauben.

Fertigung der Rückplatte

Auch hier bleibt nicht viel zu beschreiben. Die Rückplatten der Monitorpanels werden auf Maß geschnitten. Anschließend wird eine Form für die Rundung der rechten oberen Ecke manuell hergestellt und mit Hilfe des Kopierrings an der Oberfräse auf die Rückplatte übertragen. Hier ist wichtig zu beachten: Der Kopierring ist etwas größer als der Fräser, muss also bei der Anfertigung der Schablone beachtet werden. Alternativ kann natürlich ein Fräser mit Anlaufkugellager verwendet werden.

Fazit

Für mich war dieser Ausflug in eine Schreinerei fast wie eine kleine Ausbildung. Es hat superviel Spaß gemacht und ich habe wieder sehr viel dazu gelernt, was ich gar nicht so richtig in einem solchen Blog Eintrag widergeben kann. Ich glaube aber trotz des professionellen Anspruchs, kann dieses Projekt gut in der heimischen Werkstatt nachgebaut werden. So ein Monitorpanel fürs Büro (z.B. direkt hinter den Schreibtisch anstatt den Monitor auf den Schreibtisch zu stellen) macht durchaus Sinn und schafft optische Anreize. Ich würde mich über eure Kommentare hier sehr freuen.

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