Mobile Werkstatt für Epoxidharzschmuck

Meine Frau ist recht begeistert von Epoxidharzschmuck. Anstatt ihr ein Schmuckstück zu machen, dachte ich mir, bekommt sie gleich eine ganze Werkstatt für Epoxidharzschmuck und kann sich den Schmuck ihrer Träume selber gestalten. Schnell gedacht, schwer getan. So einfach war es gar nicht und es kommt eine ganze Menge an Werkzeug zusammen. Zudem habe ich mir noch ein paar Randbedingungen überlegt:

  • Die Schmuckherstellung sollte auf dem Esszimmertisch machbar sein
  • Alles muss schnell aufgebaut und wieder weggeräumt werden können
  • Die ganzen Materialien müssen am Stück verstaut werden können
  • Da ich ja nicht 100% weiß welche Materialien und Werkzeuge notwendig sind, muss Platz für Erweiterung sein.

Die Einkaufsliste

Ich denke die Liste der Dinge die in die Werkstatt für Epoxidharzschmuck gewandert sind, ist am interessantesten, zeigt sich doch hier, was man investieren muss und welche Werkzeuge eigentlich benötigt werden.

Rechnen wir alles zusammen, kommst du auf eine Summe von ca. 350 -380€.

Nach nun einigen Wochen Bastelei hat sich herausgestellt, dass diese Liste an Werkzeug auch ziemlich vollständig ist und man das meiste auch wirklich braucht. Ein paar kleine Änderungen würden wir im Nachhinein machen:

  • Meine Frau hat noch einige Silikonformen dazu gekauft
  • Doppelseitiges Klebeband um Formen an der Unterfläche zu fixieren
  • Sekundenkleber um Schmuckelemente einzukleben

Tatsächlich haben wir mittlerweile schon viel mehr dazu gekauft, dieser Artikel soll ja aber das “Startset” beschreiben, mit dem man erstmal wirklich loslegen kann.

Ein Wort zur Sicherheit

Beim gießen von Epoxidharz entstehen tendenziell giftige Dämpfe. Beim Schleifen (vor allem dem maschinellen schleifen) entsteht Staub der als krebserregend eingestuft ist. Die Dämpfe fördern zudem das Auftreten von Allergien. Daher ist neben den Handschuhen, das Tragen von geegneten Schutzmasken (und ggf. Brillen) dringend empfohlen. Da ich mich hier noch in den Anfängen der Epoxidharverarbeitung befinde und ich selber noch nicht weiß, ob die von mir verwendete Schutzausrüstung wirklich allen Ansprüchen an Sicherheit und Komfort entspricht, habe ich hier keine weiteren konkreten Produkte verlinkt.

Zudem scheint es nicht wirklich eine einheitliche Regelung zu geben, welche Masken speziell beim gießen zu verwenden sind. Sogar der BG-Bau empfielt nicht explizit Masken zu tragen (obwohl beim Bau wirklich große Mengen Epoxidharz verarbeitet werden). Auf den Broschüren des BG-Bau habe ich kein einziges Bild gefunden, auf die Verarbeitung mit Maske abgebildet ist (Stand 02-2021). Wenn Ihr nach Atemschutzmasken bei Amazon sucht, gibt es dort oft keine expliziten Hinweis auf die Verarbeitung von Expoxidharzen, zudem scheint es auch von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich zu sein, welche Dämpfe da entstehen.

Meine Empfehlung dazu: Erkundigt euch direkt beim Hersteller des von euch verwendeten Harzes, nach der richtigen Atemmaske.

Solltet Ihr Atemnot, starken Hustenreiz, Hautausschlag, jucken oder andere Symptome verspüren die mit der Verarbeitung von Epoxidharz einhergehen, hört bitte sofort auf und informiert euch.

Aufbau der Werkzeugkiste

Würde man die Einzelteile nun alle so wie sie sind in die Kiste schmeißen, entstünde natürlich ein heilloses Chaos und die Idee mit dem “mal schnell alles aus- und wieder einräumen” wäre dahin.

Daher habe ich nun mehrere Ebenen aus MDF gebaut. Verwendete Materialien sind:

  • MDF 12mm
  • MDF 5mm
  • Schrauben 3×25
  • Leim

Als Werkzeug reicht eine einfache Japansäge, etwas Schleifpapier und ein Akkuschrauber. Eine Tischkreissäge nebst Excenterschleifer ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.

Unterste Ebene, Elektrowerkzeug

In der untersten Ebene der mobilen Werkstatt für Epoxidharzschmuck ist das gesamte Elektrowerkzeug nebst Zubehör untergebracht. Die Höhe bestimmt die Dicke des Einhell-Schleifers, dementsprechende Trennbretter habe ich einfach in der Mitte eingeleimt. Zusätzlich habe ich 2 Bretter gefertigt in die ich Löcher eingelassen habe. In diesen finden die ganzen Aufsätze Ihren Platz. 2 Holzdübel sorgen dafür, dass die Bretter einfach entfernt werden können. Für die ganzen kleinen Schleifmaterialen habe ich dann noch eine kleine Kiste gefertigt. Daneben finden noch das Schleifpapier, die Heißklebepistole, die Heißklebesticks und die Poliermittel Ihren Platz.

Unterste Ebene

Links und rechts könnt Ihr noch eine Griffmulde erahnen. Diese sorgt dafür, dass die Ebenen auch komfortabel entnommen werden kann.

Zweite Ebene

Die nächste Ebene der Werkstatt für Epoxidharzschmuck enthält das Handwerkszeug, die Abformmasse und die PVC-Folie zum Bauen von eigenen Formen. Dazu habe ich noch 2 größere Fächer gebaut. In eines habe ich zerhauene Resthölzer reingepackt. Ich hatte noch einige Reste gestockter Buche und Eiche übrig, die ich mit einem Beil möglichst kunstvoll zerstört habe. Einige davon habe ich noch mit dem Bunsenbrenner bearbeitet. Das zweite Fach habe ich bewusst leer gelassen, hier können dann weitere Materialien gelagert werden.

Zweites Fach

Dritte Ebene

Willkommen in der Abteilung Epoxidharz. Hier finden sich Formen, Handschuhe, Farben und das Epoxidharz selbst. In einem kleinen Fach mit Deckel sind die Rührstäbchen untergebracht. Der Knubbel oben auf dem Deckel ist exakt so groß, dass das darüber liegende Fach direkt aufliegt und den Deckel damit an Ort und Stelle hält. Dahinter befinden sich noch die Kunststoff-Schnapsgläschen zum Anrühren. Einen Besonderheit habe wir noch: Die dritte Ebene ist horizontal zweigeteilt, da die Epoxidharzflaschen doch deutlich dicker sind als alle anderen Materialien.

Dritte Ebene Teil 3

Wer genau hinschaut sieht schon, dass die Ebene aus der Kiste herauswächst. Im ersten Schritt hatte ich die Box eine Nummer zu klein gekauft (mit 235mm) und habe erst nachträglich die 335er Box gekauft, die auch oben in der Liste verlinkt ist.

Dritte Ebene, Teil 2

Den zweiten Teil der dritten Ebene habe ich für das ganze Kleinzeug vorgesehen. Hierfür habe ich aus kleinen 5mm Brettchen einen Setzkasten gebaut. 2 große Fächer daneben bieten Platz für die Lederbänder und weiteres Zeug was noch dazugekauft wird.

Zwischenebene

Vierte Ebene

Die vierte und letzte Ebene bilden den Abschluß. Hier ist die Unterlegmatte exakt eingepasst. Diese Ebene wird aus dem Koffer gehoben und dann direkt auf dieser gearbeitet (Unterhalb sind noch Filzfüße angebracht, so dass nichts auf dem Tisch kratzen kann). Sollte mal etwas Epoxidharz auslaufen, dann sammelt sich das in der Umrandung, aber man hat sich nicht den Tisch eingesaut. Daneben noch ein Fach für die Werkzeugablage, so dass auch scharfe Dinge sicher abgelegt sind.

Die oberste und letzte Ebene

Eine Anmerkung zu dem Buch. Dies habe ich oben nicht verlinkt. Es stehen zwar ein paar einzelne gute Hinweise drinnen, aber alles in allem hatte sich die Anschaffung nicht gelohnt. Hier empfehle ich eher einen Blick in die Gruppe “Epoxidharz” auf Facebook und natürlich Youtube, da gibt es echt tolle Videos dazu. Zudem bin ich auf den Blog von Melanie gestossen, die ausschliesslich über das Thema Epoxidharzschmuck schreibt, den ich euch sehr empfehlen kann.

Fazit

Das arbeiten mit der mobilen Werkstatt für Epoxidharzschmuck macht wirklich Spaß. Wir sind schon einige male mit der ganzen Familie fleissig am basteln gewesen und mein zweites geheimes Ziel, damit etwas mehr gemeinsame Aktivitäten grade in der Corona-Zeit zu schaffen wurde erreicht. Erste Schmuckstücke sind auch schon entstanden, dazu wird es aber zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt noch weitere Artikel geben.

Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es leider auch und der ist das Gewicht der Kiste. Man kann Sie gut auf Parkett hin und herschieben aber tragen ist so eine andere Sache. Die ist wirklich schwer. Solltest das Gewicht ein Thema für dich sein, empfehle ich dir definitiv 2 kleinere Kisten statt der einen großen zu nutzen.

Ich habe hier bewusst keine Maße mit angegeben. Ich habe die Ebene so gebaut, wie es mir grade für die jeweiligen Materialien gepasst hat und ich vermute jeder wird es ein wenig anders machen. Dieser Artikel ist eher gedacht als Inspiration und als Übersicht, was alles benötigt wird, um mit dem Hobby Epoxidharzschmuck zu beginnen.

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