Kaminumbau

Da unser Schornsteinfeger seiner Arbeit sehr “penibel” nachgeht und unser Haus sowieso immer viel zu warm ist, haben wir den Kaminofen erstmal nicht eingebaut. Aber so ein bisschen geflacker an der Wand wäre ja schon ganz schön. Daher haben wir uns entschieden einen Elektrokamin anzuschaffen. Aber irgendeinen Elektrokamin einfach an die Wand zu dübeln war mir jetzt auch zu simpel. Also muss ein Kaminumbau her, der auch gleich ein paar Staumöglichkeiten mit sich bringt.

Die Planung

Am Anfang steht die Idee und diese muss erst mal auf nen Fetzen Papier gebannt werden. Also raus mit dem Bleistift.

Projektbeschreibung

Wir wollten gerne über dem Kaminofen ein liegendes “L”, in dem die Elektrik für den Ofen als solches und zusätzliche Geräte wie Telefon oder eine Lampe versteckt werden können. Rechts soll ein Regal entstehen, in das man von der Seite hineingreifen kann. Durch das obere Fach soll man durchgreifen können, um an die dahinter liegende Stromverkabelung (z.B. für den Kamin) im oberen “L” zu kommen. Links und rechts vom Ofen entstehen kleine Apothekerschränkchen, unterhalb des Kamins werden 2 große Schubladen eingebaut. Grundsätzlich wird der gesamte Umbau weiß lackiert. Um das ganze etwas aufzulockern, sollen in die Fronten der Apothekerschränkchen dünne Holzfurniere in Epoxidharz eingelassen werden. Zudem soll oberhalb und rechts des Ofens noch ein LED Streifen in das “L” eingelassen werden.

Ich habe relativ schnell gemerkt, will ich den ganzen Kaminumbau mit Nuten bauen, reicht eine simple Handskizze nicht mehr aus. Also ging es an Visio und ich habe einen richtigen Plan gezeichnet. Den gesamten Plan könnt ihr euch als PDF auch in der Download Sektion herunterladen. Grundsätzlich ist der Plan auch zum nachbauen geeignet, allerdings habe ich hier 13mm dickes MDF-Material verwendet. Die Schwierigkeit könnte sein, an Material mit der Stärke zu kommen. Willst du den Plan 1:1 nachbauen, ist es glaube ich am besten du fragst mal bei deinem Schreiner vor Ort. Oder du nutzt den Plan als Vorlage und passt ihn an dein Material an, melde dich einfach bei mir, wenn du das Originaldokument haben möchtest.

Bauteil A – Liegendes “L”
Bauteil B – Apothekerschränke
Bauteil C: Schubladen
Sonstiges
4 Ansichten

Teileliste

Neben dem MDF benötigst du aber noch ein paar Einzelteile, die ich dir im folgenden verlinken möchte.

Insgesamt kommst du auf ca. 350€ für den Schrank wobei ich hier die Materialkosten für das MDF nicht eingerechnet habe. Ich schätze alles in allem wird der Schrank gute 450€ kosten. Das ist auch der Einsteigspreis für einen fertigen Kamin inkl. Umbau, allerdings noch in relativ einfacher Machart. Aber wie bei allen Projekten sollte natürlich der Spaß am selberbauen im Vordergrund stehen.

An Werkzeugen empfehle ich dir neben dem Standardkram auf jeden Fall eine Handkreissäge oder eine Tischkreissäge auf der du größere Platten zusägen kannst, sowie eine Oberfräse.

Zuschnitt

Als erstes ging es an das Zusägen der Einzelteile des Kaminumbau. Ich habe das aufgrund Platzmangels draußen gemacht.

Kleine Vorstellung Einhell Handkreissäge und Schiene

Hier kam auch das erste mal meine Führungsschiene * für die Einhell Handkreissäge * zum Einsatz. Beides kann ich sehr empfehlen, die Säge gibt es mittlerweile auch ne Nummer größer *. An der Führungssschiene habe ich zwar noch ein paar Sachen auszusetzen, aber im wesentlichen funktioniert die Schiene sehr gut. Was könnte an der Schiene verbessert werden:

  • Verschiedene Sägen von Einhell haben verschiedene Maße. Die Führungschiene lässt sich nicht über alle Modelle verwenden, da das Gummi ja beim ersten Schnitt exakt für die eine Säge gekürzt wird
  • Adapter für die Oberfräse fehlt
  • Lochreihensystem fehlt
  • Das Rutschgummi hat sich gleich als erstes mal gelöst. Lies sich aber mit etwas Sekundenkleber wieder fixen.
  • Die Klemmen zum fixieren der Schiene verbiegen sehr schnell und haben ein viel zu feines Gewinde (allerdings muss man die auch nicht ewig festdonnern)

Das ist keineswegs abwertend gemeint. Du bekommst hier eine gut funktionierende 2m-Schiene für einen angemessenen Preis. Also absolute Kaufempfehlung (und ich werde zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht von Einhell unterstützt).

Schnitt mit der Einhell Führungsschiene

Ist alles fertig gesägt, kommt schon ein ganz schöner Haufen zusammen.

Zugeschnittenes Material

Fräsen

Der nächste Schritt ist das Anbringen der Fräsungen. Grundsätzlich geht das alles mit einer Einhand Oberfräse, bei manchen sehr langen graden Nuten ist es schon praktisch auch über eine eingebaute Oberfräse zu verfügen.

Fräsungen in den Seitenteilen

Fehler beim fräsen reparieren

Na klar, einmal musste ich mich auch vertun und die Fräsung genau falsch herum gemacht. Kleinere Werkstücke kann man ja neu machen, aber was ist mit größeren? Hier hilft auch eine Tube MDF Spachtel. Das hält tatsächlich wunderbar. Die Füllung an der vorderen (hier rechts) Kante ist mir später noch mal rausgebrochen. Das habe ich dann am fertigen Schrank in drei Schichten (und vor allem im warmen) noch mal neu aufgebaut und hält seitdem einwandfrei (ein weiteres Bild später).

Verspachteln einer falschen Fräsung

Zusammenbau des Kaminumbau

Die 4 Elemente des Schrankes lassen sich einzeln zusammenbauen. Dies sind je ein Apothekerschrank, der Korpus plus die beiden Schubladen unten und das liegende “L”.

Grade in kleine Werkstätten empfiehlt es sich, das “L” zuletzt zu machen. Als erstes habe ich die beiden Schubladen gebaut. Diese sind ratz-fatz zusammengeleimt und können dann in Ruhe mit ein bisschen Klebeband versehen vor sich hin trocken.

Die unteren Schubladen

Auch die Apothekerschränke sind kein größeres Problem, wenn die Fräsungen sauber sitzen. Herausforderung ist höchstens die Übersicht zu behalten, da diese aus ziemlich vielen Einzelteilen bestehen.

Vor dem leimen
Geleimt, gespachtelt und geschliffen

Tatsächlich solltest du alle Ritzen und Kanten spachteln. Das verbessert das Ergebnis des Lackiervorgangs ungemein. Selbst wenn nur ganz kleine Ritzen sichtbar sind, die auch locker von der Farbe gefüllt und überdeckt würden, würde ich die Übergänge heute nochmal spachteln.

Als “kleiner” Fehler hat sich zudem erwiesen, die Innenseiten erst nachträglich zu lackieren. Im Nachinein würde ich empfehlen, dass vorher zu erledigen. Mit Lack aus der Sprühdose ging es zwar, das Ergebnis hätte aber besser sein können.

Elektrik in den Kaminumbau einbauen

Bevor das “L” zusammengebaut wird, stand aber erstmal der Einbau der Elektrik an. In dem folgenden Bild siehst du rechts oben das kleine Loch, dort ist die Durchführung für die Stromversorgung des LED Streifens. Eine Steckdosenleiste wird fest auf die linke Seite montiert, so dass man durch das Regal durchgreifen kann um dort umzustecken. Durch das Loch in der Mitte wird das Stromkabel vom Kaminofen durchgeführt.

Hinweis: Rechts im Bild siehst du den viereckigen Lüftungsschlitz. Ursprünglich hatte ich geplant, den Mittelteil des Schrankes nach hinten zu verschliessen. Der Kaminofen sollte in dem Fall die Luft durch das Loch in der Mitte und durch das Lüftungsgitter ansaugen können. Im Laufe des Projektes habe ich mich dagegen entschieden und den Schrank nach hinten offen gelassen.
Die Pläne sind hier nicht ganz konsequent. Möchtest du den Kaminumbau als Raumteiler bauen (und eine Rückkwand einbauen) sollte diese mit eingeplant sein, was sie jetzt nicht ist. Brauchst du keine Rückwand, kannst du auch dieses viereckige Lüftungsloch weglassen.

Einbau Elektrik

Das “Geheimfach” im oberen Regal des Kaminumbau

Natürlich wollen wir in dem Regal nicht einfach ein Loch lassen um zur Steckdosenleiste durchzugreifen. Im Plan findest du zwei kleine Leisten. Diese werden mit eingeleimt und mit je zwei starken Neodymmagneten versehen. Dann kannst du ein kleines Brett anfertigen in dem sich ebenfalls Magneten befinden und dieses dann einfach in die Regalrückwand einsetzen.

Brett mit Neodymmagneten

Verleimen des “L”

Das liegende “L” zu verleimen war schon eine größere Herausforderung, vor allem brauchst du dafür viele Zwingen. Ein Bild sagt hier wohl mehr als tausend Worte. Hier kann ich auch keinen konkreten Tip geben, leg einfach los und hol dir am besten jemanden dazu.

Verleimen des “L”

Wenigstens war ich bei den Regalen auf der rechten Seite des “L” so schlau und habe vorher die Innenflächen grundiert (auch hier wäre besser gewesen alles fertig zu lackieren).

Die Regalseite des “L”

Schubladenschienen

Sind alle Komponenten fertig gebaut, fehlt noch der Einbau der Schubladenschienen. Ich habe die Schienen alle einmal montiert und getestet und dann zum lackieren wieder ausgebaut.

Einbau der Schubladen in die jeweiligen Korpuse

Hier siehst du auch schon die erste Front. Einfach nur mal gegengestellt ob Sie auch passt und rundherum schön schliesst. Die Fräsung ist ebenfalls schon angebracht.

Griffleisten

Bei den Fronten gibt es noch eine Kleinigkeit. Die Griffleisten sind so groß, dass sie ziemlich weit überstehen. Zumindest bei 13mm Material. Sie sollen aber nur soweit überstehen, dass grad so die Finger da drunter passen. Einfache Lösung: Die Fronten müssen dicker sein. Man kann natürlich 2 Bretter aufeinanderleimen, eleganter und weniger gewichtig ist es, auf die Rückseite der Fronten rundherum Leisten anzubringen.

Leisten auf der Rückseite der Fronten

Damit die Grifleisten schön mit der Oberkante abschliessen und die Schubladen auch rundherum dicht mit dem Korpus abschliessen, braucht es hinten und oben noch ein Fräsung dort wo die Griffleisten montiert werden sollen.

Fräsen der Aussparungen für die Griffleisten

Man sieht auch das ist mir leider erst nach der Lackierarbeit eingefallen.

Lackieren des Kaminumbau

Zum lackieren ist nicht viel zu sagen. Grundiert habe ich das MDF mit normaler Wandfarbe, dann bin ich mit einer Rolle und dem günstigsten Lack aus dem Baumarkt drüber gegangen.

Nach dem grundieren aller Teile

Ich hatte weiter oben ja auch meine fehlerhafte Fräsung erwähnt. Im laufe des Aufbaus ist die Spachtelmasse leider an der Vorderkante wieder rausgebrökelt. Nach dem Zusammenbau des Korpus habe ich diese nocheinmal gefüllt, diesmal in drei Schichten und jeweils trocknen lassen. Zum Schluss habe ich das mit einem Multitool glatt geschliffen.

Spachteln einer schadhaften Stelle
Nach dem schleifen

Von dieser Stelle ist nach dem lackieren nichts mehr zu sehen und jetzt bricht auch nichts mehr aus.

Die Fronten

In die Fronten der Apotherschränke wollte ich schöne Holzinlays mit Epoxidharz einlassen. Ich habe also dünne Abschnitte aus einem Walnußkantel ausgeschnitten, eine Form gebaut und die 3 Walnußstreifen in Epoxidharz eingegossen. Diese daraus entstandende Platte habe ich dann mit 120-2000er Körnung geschliffen.

Inlays für die Fronten

Nachdem die Fronten grundiert waren, habe ich 50ml Epoxidharz angerührt und mit 10 Tropfen weißer Farbe versehen. Mit diesem Epxoidharz habe ich die auf Maß gesägten Inlays eingeklebt.

Einkleben der Inlays

Nachdem das Harz ausgehärtet war, habe ich die Inlays noch einmal komplett mit klaren Epoxidharz übergossen und die Fräsung nahezu aufgefüllt.

Die fertigen Fronten

Endmontage des Kaminumbau

Endlich war der Tag der Endmontage. Grade durch die Lackierarbeiten (ich habe 1x grundiert und 3x lackiert bis ich zufrieden war) hat sich das Projekt bestimmt einen Monat hingezogen.

Die Montage

Die Apothekerschrank-Korpuse werden auf den unteren Schubladenkorpus gestellt und verschraubt. Mit kleinen Resthölzern wird der Rahmen, der den Kaminofen hält, befestigt.

Dann wird der Kaminofen mit M4 Schrauben und Muttern am Rahmen befestigt und das “L” aufgelegt und ebenfalls von innen verschraubt.

Es fehlen nur noch die Fronten

Am Ende geht es an die Fronten. Hier hiflt der Trick mit dem doppelseitigen Klebeband. Klebeband an die Schubladen anbringen, die Fronten aufdrücken, vorsichtig die Schubladen aufziehen und die Fronten von innen festschrauben.

Der fertige Schrank

Wer genau aufpasst und vlt. schon die Pläne studiert hat, der wird sehen, dass mir da ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Eigentlich sollten die Holzstreifen auf den Außenseiten der Apothekerschränke sein und der rechte Streifen nach unten über die kleine Blende bis zum Boden laufen. Das ärgert mich gewaltig, aber die Fronten zu fertigen war halt auch soviel Aufwand, dass ich das nicht wiederholen möchte. Passt hier also genau auf und kontrolliert alles 3 mal.

Fazit

Ich hatte es ja oben schon angedeutet. Das Projekt ist nicht dazu gedacht, “Geld zu sparen”, sondern etwas einzigartiges, eigenes zu schaffen. Für mich war es mein erstes, selbst gestaltetes Möbelstück, was auch ein wenig vom Mainstream abweicht und die eine oder andere Besonderheit aufweist. Vielleicht findet sich der/die eine oder andere der Lust hat, den Kaminumbau nachzubauen. Vielleicht findet der/die eine oder andere auch eine kleine Inspiration für ein ganz anderes Projekt. Es würde mich freuen, wenn du mir dann einen Kommentar da lässt.

Hier zu guter letzt noch eine kleines Video was den Schrank im Detail zeigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.