Lightbox zur Fotografie von Schmuck

In diesem Artikel zeige ich Dir, wie du eine “Lightbox” selber bauen kannst. Meine Frau erstellt seit einiger Zeit Schmuck aus Epoxidharz. Ist der Schmuck einmal fertig gestellt, möchtest du den wahrscheinlich bestmöglich z.B. in deinem WhatsApp Status präsentieren. Das Problem bei der Sache: Machst du einfach auf dem Esstisch ein Foto, ist das Ergebnis meilenweit von der Realität entfernt. Die Farben entsprechen nicht der Wirklichkeit, der Schmuck glänzt nicht und es gibt ungewünschte Reflexionen. Das Foto überzeugt einfach gar nicht. Nach kurzer Recherche im Internet findet sich schnell die Lösung: Es fehlt einfach an Licht. Das zu fotografierende Objekt muss wirklich mega-krass ausgeleuchtet sein. Hier zeige ich dir einmal den Unterschied zwischen einen normalen Foto und einem gut ausgeleuchteten.

Bild am Esszimmertisch
Bild aus der Lightbox

Da die optimalen Bedingungen nur selten anzutreffen sind, wenn sie wirklich gebraucht werden, gibt es sogenannte “Lightboxen” (zu deutsch “Lichtboxen”) zu kaufen. Allerdings bestehen diese oft aus Pappe oder einen kleinen Faltzelt und kosten oft unverhältnismäßig viel. Wir Bastler haben i.d.R. aber alle benötigten Materialien am Start, daher liegt es auf der Hand das Ding doch einfach selber zu bauen.

Die Planung der Lightbox

Die Handskizze

Das Objekt soll von links, rechts und oben angeleuchtet werden. Da die Lightbox nicht allzu breit werden darf, sollen links und rechts LED Streifen eingebaut werden, von oben soll ein möglichst heller Strahler leuchten. Vor jeder Lichtquelle wollte ich je 2 dünne Plexiglasscheiben positionieren, in die ich verschiedenen Papiersorten einlassen kann, mit denen das Licht “gestreut” (keine Ahnung was hier der korrekte Begriff ist) werden kann. Die Innenraummaße des Fotoraums sollen 20cm in jeder Richtung sein, dabei sollte die Box trotzdem möglichst klein bleiben. Oberhalb soll die Elektrik verbaut werden. Folgende Materialen werden nun benötigt (alle Angaben in mm):

  • 4xPlexiglas (2mm) 210 x 200
  • 2xPlexiglas (2mm) 138 x 200
  • 2x Seitenwand: 300 x 213
  • 3x Deckel, Mitte, Boden: 212 x 206
  • 1x Rückwand: 300 x 212
  • 2x Halteleisten 200 x 25
  • 2x Brettchen für Lampe 80 x 80
  • 1 LED GU10 8W kaltweiß *
  • 1 GU10 Fassung *
  • 25cm LED Lichtleiste warmweiß
  • 2 Wago-Klemmen 5-fach *
  • kleine Aufputz-Verteilerdose
  • Klettband und Stoff

Vorbereiten des Materials

Bei den Materialen der Lightbox bin ich von 13mm MDF ausgegangen. Dies ist eine ziemlich exotische Stärke, hast du anderes Material, musst du die Maße entsprechend anpassen. Ich habe alles mit Falzen und Nuten gebaut.

  • Die Falze und Nuten für das Gehäuse befinden sich an der linken und rechten Außenwand, sowie der Rückwand und sind 6mm tief.
  • Die Nuten für die Plexiglasscheiben sind ebenfalls 6mm tief und 5mm breit (2 x 2mm plus Papier).
  • Die LED-Lichtleisten sind von IKEA und haben eine Länge von 25cm, sowie eine Breite von 1cm und sind in die Seitenwände entsprechende Nuten (lose ohne kleben) eingesetzt, die ebenfalls 6mm tief sind.
  • Da die LED-Leisten länger sind als der Fotoraum und in das obere Fach reinreichen, müssen am Mittelbrett entsprechende Aussparungen gemacht werden.
  • Alle Falze und Nuten habe ich an der Kreissäge hergestellt.
  • Ausnahme sind die kleine Halteleisten die das obere Plexiglas halten sollen. Hier habe ich das Material von Hand abgenommen, da war mir sowohl die Fräse als auch die Kreissäge zu gefährlich.
Die fertigen Bretter

Die Halteleisten für die oberen Plexiglasscheiben sind einfach angeleimt. Mit MDF hält das einwandfrei. Wer anderes Material nutzt, kann ja noch eine Schraube zusätzlich zur Sicherung eindrehen.

Obere Lampe der Lightbox montieren

In das Mittelbrett wird nun noch ein möglichst großes Loch eingelassen. Ein Kreisschneider ist hier hilfreich.

Loch für obere Lampe

Für die GU10 Fassung der Lampe habe ich zwei Brettchen aufeinandergeleimt, in der Mitte ein 30mm Loch eingebohrt und eine Nut für das Kabel eingelassen. Die “Nut” kann mit einem normalen 10mm Bohrer mit einem kleinen Trick hergestellt werden. Nimm einfach ein weiteres Brettchen, zwinge diese auf dass wo die Nut rein soll und bohre an der Standbohrmaschine genau in der Mitte ein.

Hilfskonstruktion zum bohren der Nut
Die fertige Lampenfassung
Montage der Elektrik

In diese Halterung habe ich Fassung einfach mit Heißkleber eingeklebt. Dies ist möglich, da die Lampenfassungen komplett geschlossen sind und sich die Anschlüsse außerhalb befinden. Die ganze Kontruktion habe ich dann am Deckel festgeleimt.

Da die Stromversorgung der LED Streifen mittels Netzteil funktioniert hat, ich aber für die 220V Lampe und die LED Streifen nur ein Kabel nach außen führen wollte, habe ich mit Heißkleber noch eine Aufputzdose am Deckel angeklebt. In diese habe ich das Innenleben des Netzteils eingebaut und dort die Stromversorgung für die Lampe abgezweigt. An die 6 LED-Streifen habe ich dann Kabel angelötet und diese mit WAGO Klemmen mit dem 12V Kabel aus dem Netzteil zusammengeschlossen. Die Kabel sind alle im oberen Raum fixiert, so dass diese nicht aus Versehen in den Lichtschein geraten. Die LED Streifen sind einfach von oben eingesteckt. So lassen sich diese auch verhältnismäßig einfach austauschen.

Das Anschlußkabel wird dann einfach durch ein Loch nach hinten herausgeführt. Ein Kabelbilder um das Kabel sorgt für eine Zugentlastung. Völlig korrekt wäre noch ein Knickschutz anzubringen, dass muss ich hier noch nachholen.

Den Deckel habe ich hier einfach nur aufgelegt, den werde ich im Nachgang mit ein paar Schnallen am Korpus befestigen.

Hintergrund in der Lightbox

Natürlich sollen auf dem Foto keine Kanten mehr zu sehen sein. Dazu habe ich hinten und ganz vorne einen Klettstreifen eingeklebt, auf den dann ein entsprechend zugeschnittenes Stück Stoff gesetzt werden kann. Achte hier darauf, dass du nicht wie ich eine Bügelkante mit einbaust, die musst du dann erst mühsam wieder rausbügeln.

Klett in der Box
Zugeschnittenes Stück Stoff mit Klett

Testen und Fazit

Die Lightbox lässt viele Möglichkeiten zum spielen und experimentieren. Du kannst normales Druckerpapier, gefärbtes oder transparentes Papier zwischen den Plexiglasscheiben verwenden. Auch der Hintergrund lässt sich durch die Klettstreifen sehr einfach verändern. Auf dem Foto haben wir links und rechts normales Druckerpapier genutzt um Reflexionen von den LEDs zu vermeiden und oben gar kein Papier eingelegt um möglichst viel Licht in der Box zu haben.

Sehr wichtig ist der Weißabgleich, der sich zum Glück mittlerweile an den meisten Smartphones einstellen lässt. Hier wird die Farbtemperatur so lange eingestellt, bis das Bild auf dem Display auch der Realität entspricht.

Ein paar dekorative Elemente werten das Bild zusätzlich auf.

Zum bauen der Lightbox habe ich gut und gerne 3 Stunden inkl. der Planung benötigt und ich finde, wenn man die Bilder anschaut, die ich anfangs gezeigt habe, hat sich der Aufwand definitiv gelohnt.

Eventuell werde ich noch ein bisschen “Liebe” in das Projekt stecken, die Kanten schleifen und die ganze Kiste noch lackieren. Zudem wird der Deckel noch mit Schnallen befestigt und ein Griff angebracht um die Kiste besser transportieren zu können.

Folgend findest du noch ein paar Schmuckfotos aus der allerersten Bilderserie mit der wir die Box getestet haben. Die sind noch nicht perfekt (man sieht z.B. noch die Bügelfalte) aber man sieht schon deutlich die Steigerung bei der Qualität der Fotos, ohne das man sich groß damit beschäftigt hat.

Ein Wort zum Schluß: Hier findest du einen Beitrag dazu, wie du eine mobile Werkstatt auf Basis einer Eurobox für die Produktion von Epoxidharzschmuck baust.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.