Gartenschrank für die Terrasse

Wir wollten einen Gartenschrank für die Terrasse aus Holz. Nach kurzer Recherche im Internet stand eindeutig fest, dass der selber gebaut wird. Aktuell zahlt man für einen stabilen Gartenschrank mind. 200€, eher aber noch deutlich mehr. Als Material wollten wir Douglasien-Terrassendielen verwenden. Das innere Kontrukt sollte aus normalen Dachlatten mit 28x48mm Stärke gebaut werden. Grob geschätzt (unter der Voraussetzung dass Werkzeuge, Schrauben und Leinöl zur Nachbehandlung vorhanden sind) wollten wir für den Schrank ungefähr 100€ Materialkosten aufwenden.

Planung

Die Größe des Schrankes wurde durch die Breite eines Sitzpolsters für Gartenstühle bestimmt. Diese sollten hochkant in den Schrank passen, wodurch sich eine Innenraumtiefe von 60cm und eine Höhe von mindestens 140cm ergibt. Ein schräges Dach nach vorne bedeutet konkret: 140cm vorne und ~150cm hinten. Neben den Gartenpolstern sollte nochmal das gleiche Platzangebot vorhanden sein, woraus sich eine Innenraumbreite von ca. 80cm ergibt. Einen ersten Plan hatte ich vorweg gezeichnet, aber der war eher nur als “visualisierung des Bauchgefühls” geeignet 😉 und noch fernab vom Ergebnis.

Der grobe erste Plan

Unterkonstruktion

Die Unterkonstruktion des Gartenschrank haben wir mit dem Boden begonnen. Wir haben an den Quer- und Seitenleisten Überblattungen angebracht und damit ein Rechteck gebildet.

Bodenkonstruktion

Übrigens, wenn Ihr euch über das neue “wir” wundert: Ich habe diesen Schrank gemeinsam mit meiner Frau gebaut. Irgendwie hate sie plötzlich Bock darauf in die Werkstatt zu kommen und mit zu frickeln. Kann ich nur empfehlen, zu zweit zu basteln ist einfach geiler.

Aber zurück zum Thema. Den Rahmen haben wir einfach an den Verblattungen aufeinandergeleimt und ordentlich mit Zwingen über Nacht trocknen lassen. Dass ist erst mal noch nicht mega-stabil, aber reicht für den Anfang.

Übrigens: Wenn Ihr wie ich keine lange Zwingen habt, dann hilft ein bisschen Phantasie. Ein Hilfsbrett an einen Balken gezwingt und mit dessen Hilfe und einer weiteren Zwinge anziehen. Nicht kapiert? Hier ein Bild 😉

Verleimen großer Elemente

Verleimen der Seitenwand

Während die Bodenkonstruktion trocknet, kann man sich ja mal mit dem Rest beschäftigen. Die Seitenwände bestehen aus den Ständerbalken und 2 Querverbindungen. Hier ist die Verbindung ebenfalls ganz einfach gestaltet. Die Balken haben wir stumpf aufeinandergeleimt und mit 8mm Holzdübeln (ebenfalls geleimt) gesichert. Hält Bombe und reicht völlig aus. Reichen die Zwingenweiten wieder nicht? Kein Problem, 2 Zwingen verdoppeln die Reichweite.

Im nächsten Schritt haben wir die Seitenkontruktionen mit dem Boden verbunden. Gleiches Vorgehen: Stumpf verleimen und Dübel rein. Übrigens warum eigentlich Holzdübel statt Schrauben: Später kommen die Douglasiendielen auf den Schrank. Mit Schrauben. Wenn wir jetzt Holzdübel verwenden, kommen die unseren Schrauben nicht in die Quere.

Querbalken

Noch ein paar Querbalken rein, um aus dem ganzen Gerüst eine fest zusammenhängende Einheit zu machen.

Verleimen mit Hilfskonstruktion

Für das Dach-Unterkonstruktion des Gartenschrank mussten die Balken noch ein wenig angepasst werden um sie schräg aufsetzen zu können.

Die Dachschräge

Die Außenverkleidung des Gartenschrank

Die Außenverkleidung und der Boden ist eigentlich kein Hexenwerk. Terassendielen zusägen und anschrauben. Viel gibt es nicht zu erzählen, daher nur ein paar Bilder.

Rückwand
Seitenwand
Boden

Ein wichtiger Tip: Auf jeden Fall jedes Brett einzeln in die korrekte Position zwingen, bevor es angeschraubt wird. Ganz exakt grade sind die Bretter nie und die Zwingen helfen dabei, Löcher von vorneherein zu vermeiden. Fesgezwungen werden die Brettern an der Unterkonstruktion und ggf. auch horizontal am nebenliegenden vorherigen Brett). Auch die Dachbretter können nun angeschraubt werden.

Von vorne werden zudem noch Verblendungen angebracht (links/rechts/oben und unten). Wir haben hier die Bretter umgedreht, so dass die glatte Seite außen liegt. Die Verblendungen haben wir nur angeleimt, nicht geschraubt. Das hatte aber nur optische Gründe.

Die grobe Kontruktion ist fertig

Bevor im nächsten Schritt dass Dach eingedeckt wird, empfiehlt es sich, den Schrank das erste mal einzulassen. Ich verwende hier Leinölfirnis. Lässt man Holzelemente einmal im Jahr damit ein, bleibt die Optik des Holzes wunderbar erhalten.

Das Dach des Gartenschrank eindecken

Leider fehlt mir hier das Foto: Ein grader Schnitt in Teerpappe lässt sich am besten machen, in dem man die Teerpappe flach auflegt, einen Balken oder Alulatte oben auf zwingt und dann mehrfach die Kante mit einem Teppichmesser entlangfährt. Gezeigt habe ich das aber schon mal bei meinem Projekt “Holzunterstand“.

Die Teerpappe sollte rundherum etwas größer geschnitten werden als notwendig.

Dach eindecken

Ich spare mir hier eine detaillierte Anleitung, wie das Dach eingepackt wird, ich bin da völlig inkompetent. Im Prinzip funktioniert es wie ein Geschenk zu verpacken. Die Teerpappe wird anschliessend von unten am Dach angetackert.

Dach an der Seite
Dach hinten
Dach von vorne

Die Tür des Gartenschrank

Die Tür wollten wir als Doppeltür haben und besteht pro Flügel aus 3 Brettern. Das Maß der Türen ergibt sich aus dem Freiraum zwischen den zuletzt angebrachten Front-Verblendungen. Von diesem Maß habe ich an jedem Türflügel 3mm in der Breite (ergibt 2mm Spalt links und rechts, sowie zwischen den Türen) und 4mm (2mm Spalt oben und unten) in der Höhe abgezogen. Um das verziehen der Tür möglichst zu minimieren, haben wir die Bretter alle 40cm mit einem Dübel versehen und diese miteinander verleimt.

Verleimen der Türbretter

Zudem habe ich darauf geachtet, dass sich die Jahresringe immer abwechseln, also einmal nach und einmal nach unten zeigen. Somit wird ein verziehen der Tür ebenfalls etwas minimiert (Die Tür kann jetzt einen Wellenform bekommen, aber nicht mehr über gesamte Breite “schüsseln”).

Am Ende werden noch alle 3 Bretter miteinander von hinten mit Hilfe eines kurzen Brettstückes verschraubt.

Stabilisieren der Tür

Wir haben die Türen dann über Nacht mit Zwingen fixiert (Zwingen vor dem Verschrauben mit den Querleisten anbringen).

Verleimen der Tür

Trotz aller Zwingen und Verschraubungen werden die Türen des Gartenschrank mit Sicherheit nicht 100% passen. Dies geht alleine schon aufgrund der Verwindungen in den einzelnen Brettern nicht. Damit die Türen aber trotzdem optimal schliessen können, haben wir unten und oben eine Nut angefräst. Somit kann die Tür auch ein Stück in den Schrank “hinein schlüpfen”.

Nut in der Tür

Nun habe ich rundherum am Gartenschrank 2mm dicke Abstandhalter mit Hilfe von Klebeband angebracht (z.B. Spielkarten oder Papier, es gibt auch fertige Kunststoffkeile im Baumarkt um Wandverkleidungen anzubringen) und die Türen eingesetzt. Ist alles richtig abgemessen sollten die Türe dank der Abstandhalter stram im Loch festsitzen und die Scharnieren können bequem montiert werden. Wichtig: Auf jeden Fall Edelstahlschrauben verwenden. Die Beschläge empfehle ich online (z.B. ebay) zu kaufen, das ist um ein vielfaches günstiger als im Baumarkt. Wer mag kann diese noch vorweg lackieren, in diesem Fall sollten die Beschläge vorher einige Tage trocknen können, damit der Lack wirklich richtig gut durchhärtet.

Montage der Tür mit Beschlägen

Zu guter letzt werden noch ein paar Türmagnete im Gartenschrank eingebaut (Ich habe 2 für jeden Türflügel verwendet) damit die Türen nie von alleine aufgehen.

Die Türgriffe des Gartenschrank

Natürlich kann man auch fertige Beschläge kaufen, ich wollte aber was besonderes haben. Beim “Drechselholz Laschinger” habe ich mir einen Drechselblock aus Nußbaumholz bestellt und diese quer aufgesägt.

Griffe herstellen

Anschliessend habe ich mir einen Krone aufgezeichnet, die Spitzen der Krone gebohrt, die Form mit der Bügelsäge herausgearbeitet und aschliessend alles schon rund geschliffen.

Vorzeichnen der Krone
Bohren der Kronenspitzen
Ausschneiden der Krone
Schleifen des Griffs

Aus den ausgeschnittenen Kronenstückchen habe ich kleine Abstandhalter gefertigt, die auf die Kronengriffe aufgeleimt wurden.

Abstandhalter am Griff

Sind die Griffe ein letztes mal geschliffen (60 -> 100 -> 180) und eingeölt, werden an der Tür mit einem feinen Stechbeitel kleine Flächen freigemacht, auf denen die Griffe montiert werden können. Auch hier haben wir Holzleim verwendet und die Griffe anschliessend mit je 4 3x50er Schrauben von hinten durch die Abstandhalter fixiert. Somit sind die Abstandhalter noch einmal zusätzlich fixiert und gleichzeitg die Griffe montiert.

Montage der Griffe

Füße (Nachtrag: 2020-10-19)

So wie der Schrank ist, sollte er auf gar keine Fall in den Garten gestellt werden, da der Unterbau wahrscheinlich recht schnell das gammeln anfangen würde. Abhilfe schafft hier die Montage von Füßen, die einen gewissen Abstand zum Boden schaffen. Ich habe mir von irgendeiner Maschine die auf den Schrott kam, mal die Füße abgeschraubt. Diese habe ich mit Einschlagmuttern auf keine Platten montiert und unter dem Schrank angeschraubt.

Verbesserungen / Kritiken

Im woodworker Forum habe ich wertvolles Feedback erhalten, was ich euch hier nicht vorenthalten möchte.

Türen und ggf. Seitenwände verstärken

Die Tür und die Seitenwände sind nur stumpf verleimt. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Jetzt wo ich diese Zeile schreibe, hat der Schrank 4 Monate und ein paar heiße Tage hinter sich und steht noch 1A da. Aber die spannende Frage ist, wie es nach dem Winter aussieht. Wir werden sehen, ich berichte hier auf jeden Fall sollte sich was negativ verändern. Der Empfehlung von ChrisOL aus dem woodworker Forum, mindestens die Türen von innen noch mit einer diagonalen Leiste zu verstärken würde ich auf jeden Fall folgen, wenn Ihr euch selber einen solchen Schrank baut.

Türgriff und Sonneneinstrahlung

Der Nußbaumtürgriff hat nun 4 Monate in der prallen Sonne gestanden. Speziell in den ersten Wochen ist das Öl ruckzuck weg und das Holz wird rissig. Ich habe in der Zeit schon 2x mal leicht nachgeschliffen und geölt. So langsam meine ich wird es besser, da das Holz immer mehr von dem Öl durchzogen ist. Ich würde es wieder so machen, aber man muss grade in den ersten Monaten ein Auge drauf haben.

Fazit

Der Bau eines Gartenschrank ist tatsächlich mal ein Projekt, an dem man mit DIY wirklich viel Geld spart. Schränke mit vergleichbarer Qualität und Stabilität sind für 100€ definitiv nicht zu bekommen. Ganz nebenbei, kann der Schrank natürlich gemäß den eigenen Wünschen gestaltet werden. Der Schwierigkeitsgrad liegt meiner Meinung nach im mittleren Bereich, ist also von jedem mit einigermaßen handwerklichen Geschick problemlos nachbaubar. Auch der Einsatz von Werkzeug hält sich in Grenzen. Im Prinzip reicht eine Handsäge, Stechbeitel und Akkuschrauber.

Würde mich (wie immer) freuen, wenn dieser Artikel Anreiz zum nachbauen gibt.

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