Le Passe Trappe Flitzpuck

Für einen Freund zum runden Geburtstag musste was Besonderes her. Irgendwas mit ein bisschen Action und es sollte (aufgrund des Hobbies des Beschenkten) was mit Tennis zu tun haben. Zufälligerweise hat unser Truppe kurz zuvor ein Video veröffentlicht, in dem er ein “Le passe trappe” Spiel (oft auch Flitzpuck genannt) gebaut hat, was mich auf die Idee gebracht hat, genau das umzusetzen. Und der Vollständigkeit halber, auch Wicki hat sich schon damit beschäftigt.

Worum geht es da? Zwei Spieler sitzen sich am Spielbrett gegenüber, jeder Spieler hat eine Anzahl von Pucks die mit Hilfe eines Gummibandes über eine glatte Fläche auf das gegnerische Spielfeld geschossen werden. In der Mitte ist ein Tor, durch das die Pucks durch müssen. Da von beiden Seiten gleichzeitig geschossen wird, ist es oft gar nicht so einfach die Pucks auf die andere Seite zu bekommen, da am Tor natürlich immer ein Engpass besteht.

Damit Ihr euch das besser vorstellen könnt, hier mal ein paar Links die das Spielgeschehen zeigen:

Meine Anforderungen

Ich hoffe, du bist jetzt nicht in der YouTube Welt abgetaucht ;-). Kommen wir zu den Anforderungen die ich so hatte:

  • Auch wenn das Spiel eher an Fußball erinnert, soll es thematisch um Tennis gehen. Ich wollte die Spielfläche als Tennisplatz gestalten und mich hierfür mal an das “furnieren” heranwagen.
  • Das Spielfeld soll deutlich größer sein als in den Videos von Truppe oder Wicki gezeigt. Ich weiß nicht ob es “vorgeschriebene” Maße gibt, aber ungefähr 100×60 cm Spiefläche sollte zur Verfügung stehen.
  • Das Ganze muss zusammenklappbar und leicht zu transportieren sein.
  • Mein Anspruch grade bei Geschenken, es muss immer etwas eintigartiges sein. Daher habe ich noch einige Dinge mit 3D Druck drumherumgebastelt. Dieses sind aber nicht zwingend notwendig zum nachbauen. Die 3D Druckdaten verlinke ich Dir hier alle.

Die Planung

Ein Tennisplatz hat natürlich bestimmte Dimensionen und muss zudem zur Spielfeldfläche passen. Hier war es also notwendig, erstmal einen Plan zu zeichnen. Folgender Skizze kannst du fast alle notwendigen Maße entnehmen. Einzige Ausnahme: Die weißen Streifen haben eine Breite von 5mm.

Der Plan für die Tennisfläche

Der Plan ist so gestaltet, dass du mit normalen DIN-A4 Furnier auskommst, bei den langen Elementen an den Seiten haben wir 2 Stück aneinandergesetzt und einen Schlitz in Kauf genommen.

Materialien

An Materialien für das Le passe trappe / Flitzpuck Spiel benötigst du

  • Eine entsprechend große Holzplatte
  • Leisten für die Umrandung (ich habe die Holzplatte gleich größer gekauft und mir die Leisten da rausgeschnitten, es gehen z.B. aber auch Dachleisten)
  • Furnierholz in 2 Kontrastreichen Farben (hier Ahon und Nußbaum)
  • Kleinere (Rest) Holzstücke für die Füße und einen Torverschluß (mehr dazu später)
  • 1 Klavierscharnier
  • Schliessen
  • 1 Koffergriff
  • Für die Pucks ein schönes Holz oder einen 3D Drucker
  • Holzleim

Die benötigten Werkzeuge gehen aus dem folgenden Artikel hervor. Du kannst bei guter Planung den Zuschnitt auch im Baumarkt erledigen lassen (Bei den Seitenleisten beachte aber, das im Baumarkt oft keine Leisten < 10cm zugeschnitten werden).

Aufbau

Nun geht es an den Aufbau des gesamten Spiels. Rechne mal mit gut 2 Wochen Zeit die du einplanen solltest, wenn du viel mit 3D Druck machst, dann auch ggf. mehr.

Die Spielfläche

Die Spielfläche wird mit Furnierholz gestaltet. Wir haben das Furnierholz nur einseitig aufgeleimt und auch nur ganz normalen Holzleim (statt speziellem Furnierleim) verwendet. Viele Artikel sagen, dass auf der Rückseite der Platte ein billiges “Konterfunier” aufgetragen werden muss um ein verziehen der Platte zu vermeiden. Da wir hier Multiplex als Basis verwendet haben, haben wir das nicht gemacht und auch nicht bereut. Das Spiel ist zum Zeitpunkt des Erscheinungsdatums dieses Artikels gut ein halbes Jahr und verzogen hat sich nichts.

Als erstes werden Furnierplatten gemäß dem Plan ausgeschnitten. Hierfür benötigst du ein Stahllineal und ein Teppichmesser mit frischer Klinge. Drücke das Lineal auf jeden Fall fest an, um ein verrutschen zu vermeiden.

Die einzelnen Elemente der Spielfläche werden dann mit Papierklebeband möglichst lückenlos zusammengeklebt. Ganz kleine Minispalten kannst du später noch beim Schleifvorgang mit Sekundenkleber füllen.

Wir haben die Basisplatte des Le passe trappe / Flitzpuck Spiels nun schon in 2 Teile geteilt und die beiden Spielfeldhälften einzeln aufgeklebt. Die Platten haben noch nicht das endgültige Maß, sondern werden idealerweise erst später zusammen mit dem aufgeleimten Furnier auf das Endmaß beschnitten.

Nun geht es ans aufkleben. Such dir einen Platz, wo die Platte einige Tage liegen kann ohne zu stören. Idealerweise arbeitest du hier nicht alleine, grade bei höheren Temperaturen muss das verleimen relativ fix gehen. Lege Klarsichtfolie, Schraubzwingen, Gewichte und eine Platte mit dem gleichen Maß wie deine Spielfeldfläche bereit.

Wenn alles vorbereitet ist, kannst du die erste Hälfte der Platte großflächig mit einer Rolle mit Leim beschichten.

Nun wird eine Klarsichtfolie aufgelegt, die verhindert das der Leim an der Pressplatte, die im nächsten Schritt oben aufgelegt wird, festklebt. Du kannst beide Spielfeldhälften fertig aufleimen und diese übereinanderlegen.

Zu guter letzt kommt eine Platte oben aufgelegt und das ganze Kontrukt wird mit Gewichten und Schraubzwingen ordentlich aufeinandergepresst.

Am Ende hast du ein Sandwich gebaut, dass wie folgt (von oben nach unten) aufgebaut ist:

6: Gewichte
5: Pressplatte
4: Klarsichtfolie
3: Spielfeld 2
2: Klarsichtfolie
1: Spielfeld 1

Wir haben dem Spielfeld gut 3 Tage Zeit gegeben durch zu trocknen. Ist sicherlich deutlich länger als notwendig, aber es war noch Zeit und ich wollte kein Risiko eingehen.

Nach der Durchtrocknung habe ich die Spielfläche mit der Handkreissäge auf das endgültige Format gebracht. Die Kanten an denen ich geschnitten habe, habe ich vorher mit Papierklebeband abgeklebt, so verhinderst du, dass unschöne Ausrisse entstehen.

Bau der Umrandung

Die Kanten für die Umrandung habe ich mit einem Falz und die Ecken jeweils mit einem 45° Winkel versehen. Die Leisten habe ich dann aufgeleimt. Alternativ kannst du natürlich ebenso gut die Leisten einfach aufschrauben (dann aber trotzdem Leim verwenden) und auch ein 45° Winkel ist nicht zwingend notwendig. Kommt halt einfach darauf an, wie viel Aufwand du treiben möchtest.

Die Leiste in die das Tor eingelassen wird, habe ich auch erstmal komplett aufgeleimt. Erst als das gesamte Spielfeld fertig war, habe ich mir einen Puck geschnappt und mich langsam durch ausprobieren an die richtige Breite des Tores herangetastet. Ich habe das Tor erstmal nur 2-3 mm größer als den Puck gemacht und dann Stück für Stück erweitert. Am Ende war das Tor insgesamt 5 mm breiter als der Puck.

Tip: es bietet sich an, die richtige Torbreite mit einem Restholzstück auf einem normalen Tisch vorweg auszutesten.

Das Klavierscharnier wird nun geteilt und links und rechts des Tores angeschraubt. Ich habe mir noch die Mühe gemacht, in die Leiste eine kleine Vertiefung einzufräsen damit der Koffer auch richtig schön schließt. Leider ist mir das auch erst nach dem Zusammenbau der Spielfläche aufgegangen und ich musste irgendwie recht aufwändig eine Auflagefläche für den Fräser (Hier ein Dremel) basteln. Sinnvoller ist es natürlich eine solche Vertiefung vorher einzulassen.

Nun folgt die Feinarbeit. Die Kanten werden gefräst, die Außenfläche des gesamten Le passe trappe / Flitzpuck Koffers und die Spielfläche geschliffen. Die Spielfläche habe ich mit 240er Körnung begonnen und bin bis 800er Körnung hochgegangen.

Hast du noch kleine Spalten zwischen deinen Furnierplatten, hilft der Sekundenkleber-Trick. Entferne die Absaugung von deinem Schleifer, pack ein wenig Sekundenkleber auf den Spalt und schleif einmal drüber. Ist es noch nicht ganz perfekt, kannst du den Vorgang wiederholen.

Sekundenkleber auftragen
Nach dem Schleifen

Ist das ganze nun fertig gestellt hast du den ersten magischen Moment, in dem der Koffer das erste mal aufgeklappt wird.

Sonstige Anpassungen

Im Prinzip ist an dieser Stelle das Spiel auch schon fertig. Einige Kleinigkeiten sind aber noch zu tun.

Wir wollen natürlich nicht den Tisch ruinieren, auf dem das Spiel aufgebaut wird. Daher habe ich aus Reststücken noch Füße gebaut und unter die Spiefläche geschraubt. In diese habe ich mit einem Forstnerbohrer eine Vertiefung eingelassen und in diese einen Filz eingeklebt.

Es geht natürlich auch, die Filzstücke einfach aufzukleben, ist einfach reine Geschmackssache.

Der Koffer muss zum Transport noch richtig verschlossen werden können. Hier haben wir 2 einfache Schnallen angebracht. Diese waren übrigens der Grund, warum wir den Koffer auf verhältnismäßig hohe Füße gestellt haben, anstatt einfach Filz aufzukleben. So lässt sich komfortabel hinter die Schnallen greifen um diese zu öffnen.

Die Spielfläche muss eingelassen werden. Klar sieht die Oberfläche noch mal wesentlich besser aus, aber das ist diesmal nicht der einzige Grund. Zum einen wird die Oberfläche massiv belastet und sollte irgendwie geschützt werden, zum anderen rutschen die Pucks noch mal ne ganze Ecke besser. Ich würde Dir empfehlen, irgendetwas zu nutzen, was auf der Oberfläche verbleibt und nicht vollständig einzieht. Also irgendwas mit Wachs. Wir haben hier die gute “Handwerksbutter” vom Dominik aka “das_handwerksduo” verwendet. Diese gibt es auch in kleinen Gebinden und grade wenn das Spiel als Geschenk geplant ist, bietet es sich an, eine kleine Dose dabei zu packen.

ein Koffer braucht auch einen Griff. Hier haben wir einen fertigen Griff bei Amazon bestellt und schlicht an der richtigen Stelle angeschraubt.

Leider habe ich kein Foto gemacht, aber zu guter Letzt muss noch die Gummischnur eingesetzt werden. Teste einmal die richtige “Spannung” aus, indem du die Schnur mit kleinen Zwingen links und rechts befestigt und “Test-spielst”. Im Anschluss bohrst du 2 kleine Löcher, steckst die Schnur durch und machst einen Knoten. In dem finalen Bildern unten siehst du das auch noch mal im Detail.

3D Druck Elemente

Ich habe einiges an dem Spiel mit 3D Druck gemacht. Das ist aber kein “muss”, alle Teile die ich folgend zeige, lassen sich auch genauso gut aus Holz herstellen und ich werde Dir im Text immer Hinweise geben, wie du Alternativen bauen kannst. Das Projekt ist auch auf Thingiverse unter der Thing ID 5633442 verfügbar.

Tore

Je nachdem wie wild es zugeht, kann es schon mal sein, dass die Pucks beim Auftreffen auf die Kante beim Tor das Spielfeld “verlassen” oder sich im Tor verkanten oder überschlagen. Dies lässt sich einfach lösen indem das Tor oben geschlossen ist. Ich habe das erst beim Ausprobieren festgestellt, als schon alles nahezu fertig war. Die einfachste Methode ein oben geschlossenes Tor zu bekommen ist, die Kanten etwas höher zu gestalten und das Tor als Loch, statt als Durchlass einzulassen. Das hat auch den Vorteil, dass du das Klavierscharnier durchgängig gestalten kannst.

Gut, bei mir war es schon zu spät und ich habe 2 Tore als 3D Druck Elemente zum Aufstecken gestaltet.

Dies bringt noch mal etwas Farbe ins Spiel und die Torbögen bieten eine tolle Möglichkeit, noch einen Schriftzug unterzubringen. Du findest die dafür notwendigen Dateien in meinem GitHub Repository.

Pucks

Auch die Pucks sind im 3D Druck Verfahren erstellt.

Aus Holz sind diese ganz einfach mit einem Lochbohrer herzustellen, anschließend werden die Kanten am Fräser abgerundet und fertig. ein bisschen mit Wachs behandeln und die Dinger gehen ab wie Schmitz Katze.

Wir wollten aber das Thema Tennis auch hier was einbringen. Somit haben wir Tennisball-Schlüsselanhänger bestellt und die Tennisbälle mit dem Teppichmesser halbiert. Um die Tennisballhälften sicher mit dem Puck zu verbinden, habe ich Pucks gezeichnet, die eine Nut haben. Mit dieser können die Tennisballhälften mit ein bisschen Kraft eingesetzt werden. Ein paar Tropfen Sekundenkleber tun Ihr übriges. Auch hier findest du die notwendigen Daten auf meinen GitHub Repository.

Torverschluß

Ist der Koffer geschlossen und wird durch die Gegend getragen zeigt das Tor nach “unten”. Die ganzen 3D Druck Elemente liegen aber im Koffer und fallen dann da raus. Abhilfe schafft hier ein kleiner Riegel der einfach auf das “Tor” aufgesteckt wird. Alternativ packst du alle Zubehörteile/ die Pucks in einen schönen Beutel. Dann kann auch nichts rausfallen.

Hier die GitHub Links:

Fangnetze

Tatsächlich sind diese nicht unbedingt nötig. Wenn es wild zugeht, kann es schon mal sein, dass ein Puck aus dem Spielfeld springt. Aber in der Regel eigentlich nicht. Ich habe die Wände ca. 2 cm hoch gestaltet, die kannst die Wände auch einfach etwas höher ziehen.

Diese Fangnetze passten aber auch wieder super in das Thema Tennis. Daher habe ich Halter in 2 verschiedenen Stärken (Mittellinie und Seitenwände) gedruckt, auf die die Netze aufgesteckt werden können. In die Halter für die Mittellinie ist noch eine kleine Rundung eingelassen, damit diese auch passgenau auf dem Klavierscharnier aufliegen. Folgend wieder alle GitHub Links.

Die 3D Druck Elemente machen das ganze Spiel noch etwas bunter (ich habe zwei Farben für die beiden gegnerischen Seiten verwendet + weiß für neutrale Elemente) und durch die Vielzahl der Elemente beginnt jeder Spieleabend mit ein bisschen Bastelei und Zusammenbau, was die Vorfreude steigert. Aber wenn du keinen 3D Drucker hast: Lass dich nicht abhalten, das Le passe trappe / Flitzpuck Spiel nachzubauen, es funktioniert auch wunderbar ohne.

Fazit und finale Bilder

Dieses Spiel ist einer meiner liebsten Projekte. Es war eine Teamarbeit und hat uns einige schöne Abende des gemeinsamen “Bauens” beschert. Ich weiß es wird regelmäßig benutzt und das Ergebnis gefällt mir wirklich gut. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu schreiben, daher lasse ich noch ein paar abschließende Bilder für sich sprechen.

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