Absauganlage #1

Irgendwann kommt der Punkt in jeder Holzwerkstatt, in der man sich eine Absauganlage wünscht. Ganz klar stolpert man hier relativ schnell über die Absauganlage vom Michael Truppe. Diese finde ich von der Bauform her schon einmal recht gut. Allerdings hatte ich ein paar Wünsche die vom Plan vom Truppe abweichen:

  • Ich habe eine Nische, in die die Anlage exakt reinpassen sollte, also müssen eigene Pläne her
  • Ich will eine zweiten Motor haben, der optional zugeschaltet wird.
  • Statt mit einem Eltako-Relais oder der Lets Bastel Absaugautomatik, wollte ich die Absaugung direkt über das öffnen des Blast-Gates schalten. Hierzu habe ich ich mir schon einmal Gedanken gemacht, die Ihr hier findet.

Das Prinzip des Zyklonabscheider

Mir ist es am Anfang schwer gefallen, dass Prinzip der Absauganlage mit Zyklonabscheider zu verstehen. Grundsätzlich ist es aber ganz einfach: Die Motoren saugen durch einen Trichter Luft an. In dem Trichter rotiert die Luft und schwere Teile fallen nach unten, wo sie in einem Behälter gesammelt werden. Dieses Prinzip funktioniert so gut, dass so gut wie kein Dreck mehr hinter dem Zyklonabscheider im Luftstrom existiert.

Prinzip des Zyklonabscheiders

Der Trick der Let’s bastel Absauganlage ist es nun, den Motor, den Staubsaugerbeutel, den Auffangbehälter sowie die Elektronik möglichst kompakt in einem Gehäuse unterzubekommen. Zu diesen Zweck wird der Luftstrom einmal umgelenkt um die Motoren und den Staubsaugerbeutel voreinander zu installieren.

Umlenkung des Luftstroms

Pläne der Absauganlage kostenfrei zum Download

Da ich ja sowieso eigene Pläne zeichnen wollte, habe ich diese gleich ordentlich gezeichnet um sie der Holzwerken Community kostenlos zur Verfügung zu stellen. In der Download Sektion findet Ihr sowohl die Baupläne als auch einen Elektroplan zur Verdrahtung meiner Schaltung, als auch eine detaillierte Teileliste.

Zweiter Motor in der Absauganlage, ja oder nein

Es gibt in der Community eine lange Diskussion darüber, ob sich ein zweiter Motor lohnt, oder sich die Leistung der Motoren gegenseitig aufhebt. Viele meinen auch, dass ein zweiter Motor für die Zyklonenabscheider zu viel sind.
Ich will die Diskussion hier einmal abkürzen: Ich habe 2 Motoren mit je 1200 Watt Leistung in der Anlage verbaut und die gesteigerte Saugleistung ist wirklich enorm. Ich traue mich auch zu sagen, dass sich die Saugleistung gefühlt verdoppelt (ohne dass ich es exakt ausgemessen habe).
Der Zyklon ist mit einem zweiten Motor auch nicht überfordert, der Dreck fällt trotz des deutlich schnelleren Luftstroms immer noch sauber nach unten ab.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Im Betrieb mit 2 Motoren zu je 1200 Watt habe ich den Absaugschlauch mal voll in meine Sägespäneauffangkiste unterhalb der Tischkreissäge gehalten. Dies war dann definitiv zu viel für den Zyklonnenabscheider und der Dreck wurde komplett zu den Motoren gesaugt. Zum Glück habe ich auch nach Truppes Vorbild einen Staubsaugerbeutel vorgeschaltet. Der war gleich komplett voll, ersparte mir aber das reinigen der gesamten Anlage. Das ist aber wirklich ein Extremfall. Im normalen Betrieb kommt so etwas ja nicht vor und auch größere Ansammlungen von Holzstaub schafft der Abscheider auch mit 2 Motoren problemlos.

Die Kosten für die Absauganlage

Die Kosten für die Absauganlage belaufen sich auf gut 150-250€. Aufgeschlüsselt lassen sich die Kosten für meine Absauganlage wie folgt darstellen:

  • 30€ Holz (MDF)
  • 35€ Zyklonabscheider
  • 32€ für 2 Motoren
  • 100€ Elektrik
  • 10€ HT Rohre
  • 10€ Staubsaugerbeutel
  • 15€ Rollen
  • 25€ Sonstiges (Wago Klemmen, Kabel, etc.)

Die genaue Auflistung aller Einzelteile mit deren Kosten (zu dem Zeitpunkt, als ich die Anlage gebaut habe) findet Ihr ebenfalls auf der Download-Seite.

Sparen kann man hier durchaus noch. Es kann ein Motor statt zwei verbaut werden, was die Unkosten für die Elektrik (kleinerer Nockenschalter, kein Zeitrelais) und den Motor selber spart. Die Motoren könnte man aus alten Staubsaugern ausbauen, die Zyklonabscheider gibt es auch noch etwas billiger. So oder so, wird man auf 100€-150€ Unkosten kommen. Hier sollte sich also jeder entscheiden, ob er die Anlage wirklich selber bauen will oder in eine fertige Absauganlage investiert, deren Kosten bei ca. 140€ losgehen, aber tendenziell mehr Platz benötigen.

Auch will ich auf die verschiedenen anderen Bauformen hinweisen: Vielen montieren z.B. den Zyklonenabscheider auf ein innen verstärktes Fass und schliessen Ihren schon vorhandenen Staubsauger dort an. Schaut euch einfach mal bei Youtube um, das System muss am Ende für euch, eure Werkstatt und natürlich euren Geldbeutel passen.

Benötigtes Werkzeug

  • Kreisschneider oder Löchsägen (Größen bitte dem Plan entnehmen)
  • Akkuschrauber
  • Schraubzwingen
  • Oberfräse ist empfehlenswert, es geht aber auch ohne
  • Ggf. Tischkreissäge, wenn ihr die Platten nicht direkt im Baumarkt zuschneiden lasst

Der Bau des Korpus

Der Korpus besteht bei mir durchgängig aus 16mm MDF. Alternativ kann jedes andere Material genutzt werden. Bei OSB gibt es das Gerücht, dass es luftdurchlässig ist. Einige Leute in der Community haben aber durchaus OSB verarbeitet und sich ganz glücklich damit. Der Vorteil bei MDF ist ganz klar die einfache Verarbeitung, der moderate Preis und dass die Spalten nach dem verleimen sofort luftdicht sind. Spezieller Kleber (z.B. PU Leim) ist hier nicht notwendig.

Ich habe mir alle Platten nach Plan direkt im Baumarkt zuschneiden lassen. Der Korpus wird verleimt und zusätzlich verschraubt. Wichtig ist, dass der Leim wirklich überall gleichmäßig aufgetragen wird, damit die gesamte Konstruktion vollständig luftdicht ist. Wenn Ihr die Schrauben setzt, sollte der Leim überall ein klein wenig herausdrücken.

Bau des Korpus

Ich habe mit dem Verbinden der Bodenplatte mit den Seitenwänden begonnen. Um die Mittelplatten (hier die Montageplatte für den Zyklonenabscheider) einzusetzen, zwingt euch ein paar Bretter an die Seitenwände auf die Ihr die Brettern auflegt. Dann benötigt Ihr gleich 2 Hände weniger ;-).

WICHTIG: Ich habe erst die Mittelplatte eingesetzt und dann die Bohrungen für die Motoren/ den Zyklonabscheider eingebaut. Das liegt aber daran, dass ich die genauen Maße im vorneherein nicht festlegen konnte/wollte. Wenn Ihr das nachbaut, bohrt bitte erst alle Löcher in die Mittelplatten/Montageplatten, auch wenn das hier auf den Bildern anders zu sehen ist.

Vorbereiten der Montageplatten

Setzt Ihr den “Dust Commander” ein, bekommt ihr eine Schablone mitgeliefert und könnt mit Hilfe dieser ganz einfach die Bohrungen auf der Grundplatte für den Zyklonenabscheider festlegen.

Festlegen der Bohrung für den Dust-Commander

Nun wird die Bohrung für den Staubsaugerbeutel in die Grundplatte für die Elektrik eingelassen. Hier wird ein HT50 Rohr in die Platte eingeschoben, entsprechend groß ist das Loch.

HT Rohr Durchführung

Im nächsten Schritt werden die Bohrungen für die Motoren vorgenommen. Dieses sind natürlich auf die von mir eingesetzten Motoren angepasst, sollten aber bei allen anderen Motoren recht ähnlich sein. Leider habe ich hier gepatzt und das Foto vergessen, die genauen Maße könnt Ihr aber den plänen entnehmen.

Als letztes braucht auch die Deckelplatte ein Loch für das Anschlußrohr, an das die Geräte angeschlossen werden, die abgesaugt werden müssen. Es liegt natürlich bei euch, wie Ihr das gestalten wollt. Genausogut kann das Absaugrohr links, rechts, vorne oder hinten aus der Absauganlage herausgeführt werden, das liegt ganz bei euch. Meine Empfehlung an der Stelle ist nur, dass der Lufstrom möglichst über 45° Winkel geleitet wird, um die Strömung möglichst wenig zu behindern.

Anzeichnen des Ansaugrohrs
Montiertes Ansaugrohr

Sind alle Teile vorbereitet, können die Montageplatten und Mittelplatte, die die gesamte Absauganlage vertikal trennt, montiert werden. Vorderhalb werden die Motoren und der Staubsaugerbeutel montiert, hinterhalb der Zyklonabscheider. Oben und unten bleibt die Anlage durchgängig. Unten kommt der Spänebehälter rein, oben die Elektrik und die Luftstromumlenkung.

Korpus von vorne
Korpus von hinten

Zu guter letzt ist nun ein guter Zeitpunkt die Rollen zu montieren. Ich habe diese einfach mit 4x16mm Schrauben auf die Bodenplatte geschraubt, das hält selbst bei meinem unbearbeiteten Betonboden in der Werkstatt super. Wer ganz sicher gehen will, leimt nochmal 16mm MDF Platten dazwischen und nutzt 4x30mm Schrauben.

Montage der Rollen

Frontplatten der Absauganlage

Die Kanten der Frontplatten werden rundherum eingefräst und anschliessend ein 3x6mm Mossgummi eingeklebt. In die Frontplatte der Motoren wird zusätzlich noch ein Loch eingebohrt aus dem die Abluft der Motoren herausgeführt wird.

Frontplatten fräsen
Moosgummi einkleben

An die Frontplatten habe ich Spannverschlüsse angebracht um die Platten in Position zu halten. Die Halter der Spannverschlüsse habe ich dabei auf kleine MDF Blöcke gesetzt, da durch die Fräsung nicht so viel Material übrig war. Die Blöcke sind angeleimt und zusätzlich mit einer Schraube gesichert. Die Verschlüsse müssen dabei die Platten nicht bombenfest anziehen, es reicht vollkommen wenn sie mit ganz leichten Druck angezogen werden. Die Spannverschlüsse sind am günstigsten bei eBay zu bekommen. Alternativ dazu zeigt der Truppe hier auch eine “Selbstbau-Lösung“.

Montage der Spannverschlüsse für die Front

Frontplatte für die Elektrik

Die Frontplatte für die Elektrik ist etwas spezieller. Ich habe hier auf die eingefräste Nut rundherum verzichtet und die Platte direkt von vorne aufgeschraubt. Um die von vorne erreichbaren Elemente einzulassen, habe ich 3 Löcher (eins für den Nockenschalter und 2 weitere für 2 Steckdosen) gebohrt in die 3 Unterputzdosen eingelassen werden. Prinzipiell könnte man die Schalter wie Steckdosen natürlich auch direkt ins Holz setzen, will man es richtig machen, müssen aber aus Brandschutzgründen dieses Unterputzdosen mit verbaut werden.

Einbau der Unterputzdosen

Der Nockenschalter ist in der Regel tiefer als eine Unterputzdose. Hier hilft es, eine zweite Dose aufzuschneiden und hinten mit Gaffa-Band anzusetzen. Wichtig ist, die Dosen so übereinander zu stülpen, dass das Gaffa-Band nicht direkt irgendwelchen Brandquellen ausgesetzt ist (Innen muss alles orange bleiben 😉 ).

Verlängern der Unterputzdose

In dem oberen Bild seht Ihr auch, dass schon ein Bereich für eine düne 0,3mm Metallplatte ausgefräst wurde. Diese entkoppelt den Schalter und die Steckdosen vom Holz. Die Metallplatte wird dann mit den Schrauben der Unterputzdose gehalten. Steckdosen und Schalter werden auf die Metallplatte geschraubt.

Wer nun möchte kann den gesamten Korpus lackieren oder anderweitig künstlerisch aktiv werden. Ich habe mich entschlossen, dem ganzen Kind einen Namen zu geben und ein entsprechendes Motiv aufzuzeichnen. Der Rest des Korpus bleibt unbehandelt. Darf ich vorstellen: Kai-Uwe 1.0 😉

Dieser erste Teil beschreibt nun die Montage des eigentlichen Korpus. Im nächsten Teil gehe ich auf die Montage der Komponenten und der Elektrik ein.

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